Whanganui River Journey

Neuseeland ist ein Wanderparadies! Die meisten Wanderwege werden vom Department of Conservation (DOC) unterhalten. Zehn besonders tolle Mehrtageswanderungen wurden als die „Great Walks“ klassifiziert. Darunter beispielsweise der Tongariro Northern Circuit auf der Nordinsel oder der Rakiura Track auf Stewart Island.

Ein ganz besonderer Great Walk ist die Whanganui River Journey, auf welcher nicht gewandert, sondern mit dem Kanu gefahren wird. Der Whanganui River fliest auf der Nordinsel vom Tongariro National Park aus Richtung Süden, bis er in Whanganui ins Meer mündet.

Wir starteten unsere Reise in Raetihi, 15 Minuten südlich von Ohakune. Dort übernachteten wir auf dem Campingplatz des Kanuverleihers. Am Abend schauten wir uns geduldig das halbstündige Informationsvideo an und fingen anschließend an zu packen. In zwei großen (60 Liter) und zwei kleinen (30 Liter) wasserdichten Tonnen verstauten wir Schlafsäcke, Wechselkleidung, Kochgeschirr und Essen für drei Tage. Für Elektronikartikel bekamen wir ein kleines Köfferchen zugeteilt, welches durch ein Überdruckventil wasserdicht war.

Am nächsten Morgen gesellten wir uns zu 17 anderen Paddlern in einen Bus und fuhren mit einem Anhänger voller Kanus im Schlepptau zum Flussufer. Nach anderthalb Stunden kamen wir in Whakahoro an. Nach weiteren Sicherheitsbelehrungen war es dann auch schon fast 11 Uhr als wir endlich auf dem Wasser waren.

Mit dem Kanu durch die Einsamkeit des Whanganui Rivers
Mit dem Kanu durch die Einsamkeit des Whanganui Rivers

Der Whanganui River fließt in diesem Teil durch einen Nationalpark. Dadurch sind rechts und links keine Häuser oder auch nur Farmland, sondern ausschließlich Regenwald und Dschungel. Außer Vogelgezwitscher und dem Plätschern des Flusses ist es totenstill: keine Autos, keine Menschen, keine Handys. Welch eine Wohltat!

Unsere 40 Kilometer lange Tagesetappe war mit sechs Stunden veranschlagt. Alle zwei Stunden kamen wir an kleinen Zeltplätzen vorbei, bei denen wir kurz Pause machten, um das Plumpsklo zu benutzen oder auch nur um eine Kleinigkeit zu Essen.

Gegen 17 Uhr kamen wir an der John Coull Hut an. Diese vom DOC betriebene Hütte hat einen Schlafsaal für zwanzig Personen. Im Gegensatz zu anderen DOC Hütten gab es kein Toilettenpapier und auch keinerlei Töpfe, Pfannen oder auch nur Streichhölzer. Zum Glück waren wir gut ausgestattet.

Unser Zuhause für die erste Nacht: John Coull Hut
Unser Zuhause für die erste Nacht: John Coull Hut
Tonnen voller Gepäck vor der Hütte gestapelt
Tonnen voller Gepäck vor der Hütte gestapelt (andere Kanuverleiher haben andere Tonnen)

Am zweiten Tag standen zwar nur 30 Kilometer bevor. Durch geringere Strömung auf dem Flussabschnitt waren diese aber ebenfalls mit sechs Stunden Reisezeit veranschlagt.

Einsame Flussidylle
Einsame Flussidylle

Nach zwei Stunden machten wir eine kurze Pause an einem Zeltplatz und nach vier Stunden erreichten wir den Anleger für die Wanderung zur Bridge to Nowhere, der Haupt-Touristenattraktion in der Gegend.

Anleger am Anfang der Wanderung zur Bridge to Nowhere
Anleger am Anfang der Wanderung zur Bridge to Nowhere

Der Anlegepunkt ist sehr unglücklich gewählt. Er liegt an einer steilen Felswand, in die ein paar Stufen hineingehauen sind, welche schnell rutschig werden. Erschwerend kam hinzu, dass unser Seil etwas zu kurz für die wenigen Haken am Felsen war. Nichtsdestotrotz konnten wir unser Kanu zu den anderen am „Parkplatz“ einreihen und unsere Wanderung beginnen.

Nach 45 Minuten durch den Wald erreichten wir die Bridge to Nowhere. Diese führt nicht nur ins Nichts, sie kommt auch aus dem Nichts und ist wirklich mitten im Nichts. Die überdimensionierte Brücke, die so aussieht, als ob sogar Autos darüber fahren könnten, geht rechts und links in einen kleinen Trampelpfad über. Sie wurde im Ersten Weltkrieg gebaut, um eine direktere Route vom Tongariro Nationalpark zum Mount Taranaki zu bilden. Dieses Projekt wurde jedoch nie fertiggestellt und so steht nun mitten in Nichts eine recht sinnlose Brücke, deren Sinnlosigkeit Touristen anlockt.

Bridge to Nowhere mitten im Nichts
Bridge to Nowhere mitten im Nichts

Einige Touristen, so wie wir, reisen mit dem Kanu an. Andere nehmen die schnellere und bequemere Variante mit dem Jetboat. Diese Schnellboote kamen uns von nun an gelegentlich entgegen. Die hohen Wellen, die diese beim Vorbeifahren bilden, waren aber nicht weiter schlimm.

Jetboat fährt an Kanus vorbeit
Jetboat fährt an Kanus vorbeit

Die DOC Hütte am zweiten Abend, Tieke Kainga, war mit einer Marae zusammengelegt. Das ist ein „heiliges“ Versammlungshaus der Maori. Dementsprechend mussten wir uns eine Willkommenszeremonie über uns ergehen lassen. Zudem ist Alkohol in dieser Hütte verboten. Das Ambiente war dort etwas unangenehm. Zum einem waren wir uns nie wirklich sicher, ob wir nicht irgendetwas falsch machen und zum anderen hatten wir das Gefühl, dass wir als Nicht-Maori dort nichts verloren hätten. Zum Glück ist es die einzige DOC Hütte in Neuseeland, die in einer Marae liegt.

Tieke Kainga - Marae und DOC Hütte
Tieke Kainga – Marae und DOC Hütte

Der dritte und letzte Tag unserer Kanutour war nur noch mit vier Stunden veranschlagt, sollte aber nicht weniger anstrengend sein. Anfangs hatte der Fluss kaum Strömung und mit aufkommendem Wind hatten wir ganz schön zu kämpfen, um noch vorwärtszukommen. Auf der letzten Etappe lagen auch die drei größten Stromschnellen. Obwohl wir zuvor von ihnen gelesen hatten, erkannten wir die Zweite zu spät, trafen eine falsche Entscheidung und kippten um. Wie uns zuvor etliche Male eingetrichtert wurde, hielten wir unsere Paddel fest, klammerten uns an das nun auf dem Kopf schwimmende Kanu und trieben gemeinsam den Fluss hinunter. Wir strebten eine Sandbank an, auf der wir das Kanu umdrehen und ausschöpfen wollten. Die Strömung trieb uns aber davon weg. Zum Glück waren genügend andere Kanuten um uns herum, welche uns schließlich auf die Sandbank zogen. Wir drehten das Kanu um und dank der vielen Zurrgurte waren alle Tonnen, das kleine Köfferchen mit Kamera und Handy und sogar das Ersatzpaddel noch an seinem Platz. Nur in einen kleinen Beutel war Wasser eingedrungen. Dort waren jedoch nur noch ein paar Müsliriegel und das Klopapier verstaut. Bis auf das nassgewordene Klopapier konnte unsere Reise somit unbeschadet weitergehen. Da es nur noch eine Stunde bis zum Endpunkt der Reise war und die schlimmste aller Stromschnellen ja auch noch vor uns lag, beschlossen wir uns nicht umzuziehen und fuhren in nassen Klamotten weiter. Die letzte Stromschnelle bewältigten wir jedoch problemlos und kamen etwa eine Stunde vor der vereinbarten Abholzeit in Pipiriki an.

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