Waitangi Treaty Grounds

Zwischen anstrengendem Segeln und anstrengendem Wandern haben wir uns in der Bay of Islands auch einmal der Kultur hingegeben. Viel Historisches hat Neuseeland generell ja nicht zu bieten, wodurch ein Besuch der Waitangi Treaty Grounds umso mehr zu empfehlen ist.

Vor ein paar Jahren konnte man diese als New Zealand Resident noch kostenlos besichtigen. Inzwischen bekommt man „nur“ noch 50 Prozent Rabatt, sodass wir 25 Dollar pro Nase bezahlt haben statt 50 Dollar.

Auf dem Gelände gibt es derzeit fünf Stationen zu sehen: das Museum, das Besucherzentrum, das Kanu, das Treaty Haus und die Marae. Eine weitere Station zum Gedenken der Opfer der beiden Weltkriege ist noch im Bau.

Die Waitangi Treaty Grounds können frei erkundet werden oder man schließt sich einer im Preis enthaltenen Führung an. Wir taten beides.

Auf der Webseite wurde empfohlen, sich drei Stunden für den Besuch des Geländes Zeit zu nehmen. Angesichts der vielen Dinge, die es dort zu entdecken gab, waren wir jedoch vier Stunden dort.

1. Das Museum

Das Museum ist eines dieser typischen modernen Museen, in denen alles in elegantem Schwarz gehalten wird und es dadurch so dunkel ist. Ich finde das unheimlich anstrengend und zum Fotografieren ist es natürlich auch schwierig. Das hat mich im Te Papa in Wellington schon gestört und das Auckland Museum fängt jetzt auch so an. Ist das in Deutschland auch gerade Trend?

Dennoch haben wir dort viel über die Maori in Neuseeland gelernt und die ersten Britten und das ganze Hin und Her, das schließlich dazu führte, dass ein Vertrag geschlossen wurde. Die Geschichte ist deutlich komplizierter als ich gedacht hätte. Es ist unmöglich das hier in ein oder zwei Sätzen zusammenzufassen.

Jedenfalls haben die Britten und die Häuptlinge von 45 Maoristämmen am 6. Februar 1840 (und den darauffolgenden Tagen) den Vertrag von Waitangi unterschrieben.

Jede Region bekam dabei ihre eigene Abschrift ausgehändigt, sodass es etliche verschiedene Ausführungen des Vertrags gibt. Im Museum sind allerdings nur Replikate zu sehen. Die Originale liegen irgendwo im Archiv.

Der Vertrag besagt im Englischen nun aber dummerweise etwas anderes als in der Maori-Version. Die Britten haben da wohl absichtlich etwas verdreht, weil sie wussten, dass die Maori das sonst nie unterschrieben hätten. Die Maori fühlten sich dadurch verständlicherweise über den Tisch gezogen. Die Streitigkeiten halten bis heute an.

Besonders interessant fand ich die etwa 15 Zentimeter lange Brosche aus einem Kiwi-Schnabel. Wer genau hinguckt, kann sehen, dass der Kiwi die Nasenlöcher ganz vorne an der Schnabelspitze hat. Das ist in der Vogelwelt etwas ganz Seltenes. Die meisten Vögel, man kennt das vielleicht von Enten, haben die Nasenlöcher am Nasenrücken.

2. Das Besucherzentrum

Im ursprünglichen Visitor Centre, das 1983 von Prinz Charles und Lady Diana eröffnet wurde, befindet sich heute der Souvenirshop und die Schnitz-Werkstatt. Das Gelände beschäftigt zwei Maori-Schnitzer, die die typischen Maori-Schnitzereien zur Schau herstellen. Diese werden dann entweder direkt auf dem Gelände ausgestellt oder im Souvenirshop verkauft.

3. Das Kanu

Das Kanu wurde zum Centennial, also dem 100-jährigen Jubiläum des Treaty of Waitangi 1940 gebaut. Es hält den Rekord des größten zeremoniellen Kriegskanus weltweit. Es kann bis zu 120 Männer tragen (40 Mann auf jeder Seite und 40 in der Mitte). Sorry, wieder mal keine Frauen erlaubt. Das Kanu wird jedes Jahr am Waitangi Day zu Wasser gelassen. Als Lady Diana das Besucherzentrum eröffnete, haben sie wohl eine Ausnahme gemacht und sie mit dem Kanu mitfahren lassen, obwohl sie eine Frau war. Neben dem großen Kanu stehen auch noch etliche Kleinere. Alle schön mit Schnitzereien verziert und komplett ohne Nägel oder Schrauben zusammen gebaut.

4. Das Treaty Haus

Dieses Haus ist das ursprüngliche Haus, in dem 1840 die ganzen Leute zusammen kamen, um den Vertrag zu unterschreiben. Es war das Wohnhaus vom James Busby, dem ersten Repräsentant der Britten in Neuseeland.

5. Die Marae

Eine Marae (sprich „Maraj“) ist ein Versammlungshaus der Maori. Es ist ebenfalls mit Schnitzereien verziert. In diesem Haus wurden traditionelle Tänze und Gesang der Maori aufgeführt. Mir kam es etwas vor wie im Zirkus, aber jedem das seine.

Was ich nicht verstanden habe, war, dass am nationalen Feiertag „Waitangi Day“ immer von der oberen und der unteren Marae geredet wird. Die Obere sei so heilig, dass dort keine Frauen hindürfen, noch nicht einmal die Premier Ministerin. Von dieser Marae hat in der Führung aber niemand gesprochen. Und, ob die untere Marae die Gleiche ist, wie die, in der die Tanzvorführung stattfand, ist auch unklar geblieben. Vielleicht sind die beiden aber auch gar nicht auf den Waitangi Treaty Grounds, sondern nochmal wo ganz anders.

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