Stadtführung in Ponsonby

Diese Woche findet das Auckland Heritage Festival statt. In der Aktionswoche rund um die Geschichte der Stadt stehen viele kulturelle Angebote im Programm. Wir meldeten uns zu einer kostenlosen Führung durch den zentralen Stadtteil Ponsonby an.

Am Samstagmorgen um zehn Uhr trafen wir uns so mit zehn anderen Interessierten und dem Historiker Edward Bennett vor der ehemaligen Post in Ponsonby. Letzterer erschien passend zum Thema mit Krawatte, Weste und Mantel – nur der Hut fehlte noch. Ob an der Kette wohl wirklich eine Taschenuhr hing?

Punkt 10 Uhr ertönte ein Glockenspiel vom Turm der ehemaligen Post und uns fiel auf, wie lange wir schon keinen Glockenschlag zur vollen Stunde mehr gehört hatten.

Die ehemalige Post in Ponsonby

Zum Beginn der Stadtführung lernten wir, dass die Kreuzung, an der sich die ehemalige Post von Ponsonby befindet, „Three Lamps“ genannt wird. Die drei Lampen standen früher in der Mitte der großen Kreuzung. Pferde störten sich daran nicht, doch mit dem Aufkommen motorisierter Fahrzeuge waren diese im Weg und wurden entfernt. Heute steht eine Nachbildung an der Seite der Kreuzung vor dem ehemaligen Gasthaus im Art Deco-Stil der 1930er Jahre. Das Gasthaus sei damals wohl das Szene-Lokal schlecht hin gewesen, weil man dort Livemusik hören konnte, nebenbei tanzen und sogar Alkohol trinken. Also alles drei auf einmal! Das war eine Besonderheit! Zudem befand sich im linken Teil des Pubs eine erstaunlich große Billardhalle.

Das ehemalige Gasthaus an der Kreuzung "Three Lamps"

Von Three Lamps zum Victoria Park führt die Straße den Berg hinunter. Der Historiker erklärte, dass College Hill einen Ticken zu steil für ein Pferdefuhrwerk sei. Quälte man sein Pferd trotzdem dort hoch, lief man Gefahr, dass das Pferd vor Erschöpfung einfach tot umfällt. Und was macht man dann? Tot zurückgelassene Pferde am Straßenrand seien damals wohl ein großes Problem gewesen. In New York, so sagte der Historiker, handelte es sich dabei um bis zu 20.000 Pferde pro Tag. Da ist der Müll an den Autobahneinfahrten heutzutage geradezu harmlos im Vergleich. Um dies zu vermeiden, nahmen die meisten Leute deswegen einen großen Umweg in Kauf. Auf der „Umfahrung“ des Bergs basieren die heute etwas willkührlich wirkenden Buslinien.

Arbeiter, die zu Fuß zum Hafen oder den Fabriken der Stadt gingen, liefen den Berg am Ende des Arbeitstags wieder hoch, um in die Häuser der Vororte zurückzukehren. So kommt es, dass sich auf halbem Weg ein weiteres Gasthaus befindet. Wir lernten, dass Gasthäuser früher oft an der Ecke einer Straße lagen. Grund dafür war, dass es für wahrscheinlicher galt, eine Schanklizenz zu erhalten, wenn die vor dem Gasthaus aufgehängte Lampe zwei Straßen beleuchtete und die Stadt somit weniger eigene Straßenbeleuchtung zur Verfügung stellen musste.

Das Gasthaus auf halber Höhe des College Hills

Vorbei am St. Mary’s College, wo ein von Nonnen gebautes dreistöckiges Holzhaus später durch ein unsagbar hässliches Ziegelgebäude ersetzt wurde, gelangten wir zum Sitz des Bischofs. Dieses soll eines der ersten Häuser in Auckland mit Telefonanschluss gewesen sein. Das erste Telefonbuch der Stadt hatte nur 24 Einträge. Zudem lernten wir den Unterschied zwischen Ziegeln aus heimischem Lehm, welche scheckig beige-braun sind, und teuren importierten Ziegeln, die einfarbig dunkelrot sind.

Der Historiker Edward Bennett vor dem Sitz des Bischofs

Schließlich kamen wir zum Haus des Hafenmeisters. Vom kleinen Türmchen aus konnte man gut sehen, ob das sehnlichst erwartete Schiff endlich in den Hafen einläuft. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dies heute eine der teuersten Wohngegenden in Auckland ist.

Das Haus des Hafenmeisters mit Blick auf die Hafenbrücke

Das nächste Haus, an dem wir stehen blieben, war ein Haus in viktorianischem Stil, wie sie in diesem Stadtteil überall zu finden sind. Das besondere daran sei ein kleine Plakette, auf der Rakauroa stand. Das ist der Name des Hauses. Früher war es schicklich, in einem Haus mit einem Namen zu wohnen, nicht nur mit einer Hausnummer. Es stammt aus einer Zeit, in der die vormals britische Bevölkerung ihre neuseeländische Identität entdeckte und es modern war, sich mit Maori-Namen und Motiven zu schmücken. Leider kam das irgendwann aus der Mode und die neuen Besitzer der Häuser entfernten die Namensplaketten oftmals.

Ein viktorianisches Haus mit einer Namensplakette

Die Stadtführung endete nach zwei Stunden in der Renall Street. Diese Straße wurde von der Stadt für ihren historischen Reichtum ausgewählt und komplett unter Denkmalschutz gestellt. Die vielen viktorianischen Wohnhäuser sowie das Freimaurerhaus dürfen von den Besitzern nicht verändert werden. Falls diese jedoch jemals touristisch vermarktet werden soll, muss dringend was an den vielen parkenden Autos geändert werden.

Renall Street: Eine gesamte Straße steht unter Denkmalschutz

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