Sommer oder Winter? Beides!

Nachdem im Mai die wochenlange Ausgangssperre zu Ende ging und klar wurde, dass in diesem Jahr kein Urlaub im Ausland mehr möglich sein wird, buchten wir einen einwöchigen Skiurlaub auf der Südinsel Neuseelands. Zu der Zeit waren die Flüge billig und die Auswahl groß.

Als die Zeit näher rückte, schlug Corona in Neuseeland wieder zu und nur drei Wochen vor unserem geplanten Urlaub gingen wir zurück in die Ausgangssperre. Ursprünglich war der Lockdown bis Mittwoch angekündigt, unsere Flüge waren für den darauffolgenden Samstag gebucht. So hofften wir, unseren Skiurlaub vielleicht doch noch antreten zu können.

Doch wie es immer so ist, wurde am Montag der besagten Woche bekannt gegeben, dass der Lockdown bis Sonntag Nacht verlängert wird. Noch während die Pressekonferenz der Premierministerin im Fernsehen lief, rief ich bei der Fluggesellschaft an, um die Flüge zu stornieren oder sie vielleicht wenigstens auf Montag umzubuchen. Die Preise stiegen dank der plötzlichen hohen Nachfrage natürlich sofort rapide an und bis wir uns am Abend überlegt hatten, ob wir diese Preise wirklich zahlen wollten, waren alle Montags-Flüge nach Christchurch ausverkauft. Nach Queenstown waren sogar alle Flüge der gesamten Woche vergeben. Also Hotel, Mietwagen, Skipass, und was wir noch so alles gebucht hatten, stornieren. Dank Corona sind die Betreiber zum Glück zur Zeit sehr kulant, sodass sogar nicht-stornierbare Sondertarife plötzlich kostenlos zurückerstattet werden. Nochmal gut weggekommen.

Nachdem das nun schon der dritte Urlaub in diesem Jahr ist, der wegen COVID-19 ins Wasser gefallen ist, beschlossen wir diesmal nicht zurück zur Arbeit zu gehen, sondern einfach irgendwas anderes zu unternehmen: Skifahren auf der Nordinsel auf den Hängen des Mt Ruapehu sollte es sein. Die Unterkünfte waren überraschenderweise noch sehr zahlreich vorhanden, obwohl wir nicht einmal mehr eine Woche zum Abreisedatum hatten. Der Grund dafür wurde uns schnell klar: Das Skigebiet beschränkt die Besucheranzahl zur Minderung der Ansteckungsgefahr. Dies wird über die Parkplatzbuchung realisiert. Früher ist man einfach mit dem Auto auf den Berg gefahren und hat sich nichts weiter dabei gedacht. Heute muss man online einen kostenlosen Parkplatz buchen. Ohne Parkplatzbuchung kommt man schon gar nicht erst durch die Straßensperre am Fuße des Bergs. Die Kontingente für die Parkplätze der ganzen Woche werden immer Mittwochs um 10 Uhr online vergeben. Also stellte ich einen Wecker auf 9.55 Uhr. Bene hielt das für übertrieben, aber ich hatte da so eine Ahnung. Punkt 10.00 Uhr rechnete ich mit einem Serverabsturz wegen Überlastung. Der blieb zwar aus, aber trotzdem waren um 10.02 Uhr alle Parkplätze ausgebucht. Wir hatten Glück und konnten einen für Montag und Dienstag in Whakapapa ergattern.

Montag war dann auch ein genialer Tag: Sonnenschein pur und kein Wölkchen am Himmel. Bene ist am Nachmittag sogar nur im T-Shirt gefahren. Und dank Besucherbeschränkung war es auch nicht so voll wie sonst immer.

Bene snowboardet im T-Shirt mit Mt Ngauruhoe, dem Schicksalsberg, im Hintergrund
Bene snowboardet im T-Shirt mit Mt Ngauruhoe, dem Schicksalsberg, im Hintergrund
Blick über das Skigebiet Whakapapa
Blick über das Skigebiet Whakapapa

Dienstag hingen tiefe Wolken am Himmel und Sturm wurde vorhergesagt. Wir fuhren zwar kurz auf unseren gebuchten Parkplatz, um uns die Misere anzuschauen, beschlossen aber bei dem Wetter kein Vermögen für einen Skipass auszugeben. (Die Mid-Week Tageskarte kostet 129 NZD und die Weekend Tageskarte149 NZD. Der Lacher: Eine Halbtageskarte kostet immer noch 119 NZD).

Das Skigebiet Whakapapa verschwindet in den Wolken
Das Skigebiet Whakapapa verschwindet in den Wolken

In unserem Haushalt gibt es eine Regel, die geht so: „Am Tag nachdem wir vom Winterurlaub zurückkommen, fängt der Frühling an.“ Das hat weniger mit dem Wetter zu tun. Das ist mehr so eine Einstellungssache. Mit meinen Tui-auf-dem-Kirschbaum-Fotos in der Woche zuvor habe ich irgendwie die Regel gebrochen, weswegen Bene dann ja auch im T-Shirt boarden musste, weil es so heiß war 🙂

Jedenfalls hatten wir noch fast die ganze Woche vor uns und beschlossen spontan mit dem Van zwei Nächte auf einen Campingplatz am Meer zu fahren. Der Winter war ja jetzt vorbei!

So fuhren wir am Donnerstag los Richtung Coromandel. Wir wollten nach Fletcher Bay, dem nördlichsten Zipfel der Halbinsel. Der Routenplaner berechnete für die 200 Kilometer etwa vier Stunden Fahrzeit. VIER STUNDEN?!?! Der muss sich doch vertan haben! Hat er nicht! Die ersten 150 Kilometer bis Coromandel Town hatten wir zwar in zwei Stunden geschafft, aber die letzten 50 Kilometer sind nur noch Schotterstraße, und zwar von der schmalsten und kurvigsten Sorte! Da kann selbst ich nicht viel schneller als 30 km/h fahren. Als wir am Nachmittag in Fletcher Bay ankamen, war Bene schon ganz übel von den vielen Serpentinen. Der „Ort“ besteht übrigens nur aus einem Campingplatz am Meer, welcher wiederum nur eine Wiese mit ein paar Plumpsklos und kalten Duschen ist. Er basiert auf einer Vertrauenskasse. Im Sommer soll das Büro aber wohl besetzt sein. Fletcher Bay markiert zudem das Ende der kurvenreichen Straße. Wir hatten sprichwörtlich das Ende der Welt erreicht. Nachdem wir uns auf dem großen Platz, auf dem neben uns nur noch drei andere Camper waren, umgeschaut hatten, fiel uns auf, dass eines unserer Vorderräder einen Platten hatte. Tomorrow’s problem.

Fletcher Bay
Fletcher Bay
Sanitärgebäude des Campingplatzes: Plumpsklo (links) und kalte Dusche mit Waschbecken (rechts)
Sanitärgebäude des Campingplatzes: Plumpsklo (links) und kalte Dusche mit Waschbecken (rechts)
Reifenwechsel in Fletcher Bay
Reifenwechsel in Fletcher Bay

Am nächsten Morgen montierten wir in aller Ruhe das Notrad und wanderten planmäßig den Coromandel Coastal Walkway hin und wieder zurück.

Lämmer auf dem Coromandel Coastal Walkway mit Great Barrier Island im Hintergrund
Lämmer auf dem Coromandel Coastal Walkway mit Great Barrier Island im Hintergrund
Kurze Pause auf dem Coromandel Coastal Walkway
Kurze Pause auf dem Coromandel Coastal Walkway
Der Aussichtspunkt auf dem Coromandel Coastal Walkway
Der Aussichtspunkt auf dem Coromandel Coastal Walkway

Am Abend fuhren wir zum Campingplatz in der Nachbarbucht in Port Jackson. Der noch etwas größere Campingplatz (aber trotzdem nur Wiese mit Plumpsklos) liegt nicht ganz so windgeschützt, sondern direkt am Meer. Zudem ist dort Sandstrand, während in Fletcher Bay nur Kies liegt.

Sandstrand in Port Jackson mit Little Barrier Island im Hintergrund
Sandstrand in Port Jackson mit Little Barrier Island im Hintergrund
Campingplatz in Port Jackson
Campingplatz in Port Jackson
Sonnenuntergang in Port Jackson
Sonnenuntergang in Port Jackson

Am Samstag traten wir die zweistündige Rückreise über die kurvenreiche Schotterstraße auf dem Notrad an, in der Hoffnung, dass die anderen Reifen das noch durchhalten würden. Nach einer weiteren Stunde auf geteertem Kurvenreichtum kamen wir schließlich in Thames an, der nächsten größeren Ortschaft. Da es am Samstag aber schon stark an die Mittagszeit heranging, hatten nur noch zwei Reifenhändler geöffnet und beide hatten unsere Größe nicht auf Lager. Bisher war es ja nicht aufgefallen, dass wir mit Notrad nur 80 km/h fahren dürfen. Schneller geht es auf der Coromandel sowieso nicht. Aber auf der Bundesstraße zurück nach Auckland haben sich die Fahrer hinter uns ganz und gar nicht gefreut.

PS: Funny Story noch zum Schluss: Meine Eltern hatten sich vor ein paar Jahren unseren Van ausgeliehen und sind damit nach Port Jackson gefahren… Auch sie hatten dort einen Platten und mussten auf dem Notrad zurückfahren!

One Comment

  1. Avatar Kurt

    Die Eltern sagen: Das mit dem Platten stimmt schon, war aber das Hinterrad rechts (meiner Erinnerung nach). Wir haben den Reifen aber nach 30 km in einer Garagenwerkstatt reparieren lassen. Der Typ hat das sehr professionell und zum angemessenen Preis erledigt. Hat nach deinen Angaben auch gehalten. Auf der Weiterfahrt ging dann die die Lichtmaschine kaputt. Die Coromandel mag wohl dein Auto nicht oder umgekehrt.

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