Mt Ruapehu Crater Lake

Unser Sonntagsspaziergang sollte dieses Wochenende etwas abenteuerlicher sein als normalerweise. Unser Ziel war der Crater Lake des Mt Ruapehu.

Wir übernachteten auf dem Whakapapa Holiday Park, welcher sich inmitten des Tongariro Nationalparks befindet, und erwachten zu einem traumhaften Tag!

Mt Ngauruhoe und Mt Tongariro im Morgenlicht

Unser Bergführer Terry holte uns gegen 9 Uhr am Campingplatz ab. Mit seinem Kleinbus fuhren wir von den 1.160 Meter über dem Meeresspiegel, auf welchen sich das Whakapapa Village befindet, hoch zum Parkplatz des Skigebiets auf 1.630 Metern. Von dort aus nahmen Terry, Bene, ich und die beiden anderen Gäste Rob und Leo die brandneue Gondel zum Café auf 2.000 Metern Höhe.

Brandneue Gondel im Skigebiet des Mt Ruapehus

Nach einem letzten Toilettenstopp wurde es dann endlich Ernst. Nachdem wir es so mühelos auf 2.000 Meter Höhe geschafft hatten, war ich schon nach den ersten paar Schritten total aus der Puste. Terry meinte aber, das sei normal und hatte anfangs extra viele Geschichten auf Lager, sodass wir immer wieder stehen bleiben mussten, um ihm zuzuhören.

Blick auf Mt Ngauruhoe

Anfangs waren wir ja wirklich skeptisch, ob man für diese Wanderung überhaupt einen Bergführer braucht. Terry meinte, dass 90 Prozent seiner Arbeit sogar auf dem Tongariro Alpine Crossing wären, wo meiner Meinung nach eine Führung wirklich überflüssig ist. Terry erklärte das so: Obwohl ich ganz gut kochen kann, gehe ich doch hin und wieder ins Restaurant. Entweder weil ich zu faul zum Einkaufen war oder keine Lust hatte mir zu überlegen, was ich kochen will und welche Zutaten ich dazu brauche, oder einfach nur, weil ich mal etwas anderes essen will. In diesem Fall war es definitiv, weil ich so etwas Schwieriges gar nicht kochen kann!

Wanderer blickt ins Tal

Der sieben Kilometer lange Weg von der Bergstation bis zum Aussichtspunkt am Kratersee war nicht ausgeschildert und auch noch nicht einmal mit Stickeln markiert. Man hatte keinerlei Anhaltspunkte, wo es lang ging. Es war auch eigentlich gar kein Weg im engeren Sinne. Manchmal ging es über eine Schotterpiste, auf der ein Trampelpfad erkennbar war. Andere Male kraxelten wir quer Feld ein über gröbere Felsbrocken. Und um ehrlich zu sein, die verschiedenen Sättel des Bergs sehen am Ende alle irgendwie gleich aus. Erschwerend kam hinzu, dass noch nicht aller Schnee geschmolzen war und die vereisten Schneedecken teilweise innen hohl waren oder sogar ein kleiner Gebirgsbach darunter hindurch floss. Die mussten wir dann also auch noch, so gut es ging, umgehen. Den Weg hätten wir alleine niemals gefunden.

Zu meiner Erleichterung war der Weg dafür deutlich kürzer und weniger steil als zu erst befürchtet. Vielleicht aber auch nur, weil Terry uns immer wieder absichtlich ausbremste, um uns über Vulkangestein und Maori-Mythologie zu belehren. Dadurch wurde der Aufstieg sehr angenehm und wir nahmen uns oft genug Zeit, uns umzudrehen und die Aussicht zu genießen. In der Ferne konnte man sogar den 130 Kilometer entfernten Mt Taranaki aus den Wolken herausspitzeln sehen!

Mt Taranaki in der Ferne

Nach gut zwei Stunden erreichten wir den Rand des Hauptkraters. Dieser soll über 100 Meter tief sein, ist aber komplett mit Schnee und Eis gefüllt.

Hauptkrater von Mt Ruapehu

Deutlich spektakulärer war der grandiose Blick auf den schönsten aller neuseeländischen Vulkanen: Mt Ngauruhoe.

Blick auf Mt Ngauruhoe
Blick auf Mt Ngauruhoe

Auf dem Rand des Hauptkraters galt es diesen halb zu umrunden, um zum Nebenkrater mit dem Kratersee zu gelangen. Das war wirklich mit Abstand die abenteuerlichste Stelle. Auf 2650 Metern ist der Weg vielleicht gerade einmal einen Meter breit, fällt aber dafür auf beide Seiten steil ab!

Weg auf dem Kraterrand
Weg auf dem Kraterrand

Nach drei Stunden Aufstieg gelangten wir endlich über die Kuppe und der überwältigende Anblick des Kratersees tat sich uns auf! Angeblich soll sich die Farbe im Verlauf eines Tages ändern können. Bei 25 Grad Wassertemperatur sei er babyblau, so wie wir ihn gesehen haben. Bei 45 bis 50 Grad würde er aber betongrau werden. Auch dieser Krater soll über 100 Meter tief sein. Der See puffere zudem alle „Rülpser“ des Vulkans ab und finge die Asche, die der Vulkan ausstoße, ab. Der Geruch nach verfaulten Eiern war jedoch nicht zu leugnen.

Mt Ruapehu Crater Lake
Mt Ruapehu Crater Lake

Der Abstieg war beinahe anstrengender als der Aufstieg und ich dachte mir immer wieder: „Sind wir wirklich hier hergekommen?“. Ohne den Bergführer hätten wir uns auf jeden Fall total verlaufen. Aber so fanden wir uns nach fünfeinhalb Stunden wieder heil und zufrieden an der Bergstation ein.

Im Vergleich zum Tongariro Alpine Crossing ist der Weg zum Crater Lake des Mt Ruapehu deutlich kürzer und dadurch auch um einiges weniger anstrengend. Dafür ist der Weg sehr viel schwieriger zu finden und die Landschaft bleibt auch weitestgehend gleich. Auf dem Crossing muss man die größere Abwechslung aber mit Tausenden von anderen Touristen teilen, während uns zum Kratersee nur eine Handvoll Menschen begegnet sind.

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