Kepler Track

In diesem Beitrag möchte ich nicht unseren gesamten Sommerurlaub auf der Südinsel darstellen, sondern nur die dreitägige Wanderung auf dem Kepler Track herausnehmen. Im Schnelldurchlauf zusammengefasst sind wir von Wellington mit der Fähre auf die Südinsel, dann über Kaikoura und Hanmer Springs über den Lewis Pass nach Fox Glacier. Von dort aus über den Haast Pass nach Queenstown und schließlich nach Te Anau, wo diese Geschichte beginnen soll.

Kekeno – New Zealand Fur Seal – Neuseeländische Seebär (Am Straßenrand bei Kaikoura)

Kepler Track

Nach mehreren Tagen Regenwetter kamen wir am Nachmittag des 21. Dezembers bei starkem Wind in Te Anau im Fiordland an. Der kleine Ort, der überwiegend vom Tourismus lebt, war wie ausgestorben. Auf unserer Reise waren wir schon einigen solchen Geisterstädten begegnet. Wegen der Pandemie gibt es in Neuseeland keine ausländischen Touristen mehr. Den Rest des Tages verbrachten wir damit, Koffer, Kisten und Rucksäcke so umzupacken, dass wir den Großteil unseres Gepäcks in der Abstellkammer des Motel zurücklassen konnten.

Tag 1

Am nächsten Morgen grüßte uns ein Regenbogen. Wo ein Regenbogen ist, muss auch irgendwo Sonne sein, nicht wahr? Gut gelaunt fuhren wir mit dem Auto die kurze Strecke zum passend benannten Rainbow Reach Car Park, wo es für die nächsten Tage stehen sollte (Deswegen hatten wir es auch vorher komplett ausgeräumt). Um 7 Uhr waren wir startklar für die erste Etappe.

Eigentlich wollten wir den Great Walk ganz klassisch in vier Tagen bewältigen. Da die Grenze Aucklands zum Rest Neuseelands aber später als geplant geöffnet wurde, mussten wir den kompletten Urlaub kurzfristig umbuchen und konnten nur noch Übernachtungen in zwei der drei Hütten ergattern. So kam es, dass wir erst nach zehn Kilometern und zwei Stunden wandern den eigentlich Startpunkt des Kepler Tracks, die Control Gates am Lake Te Anau erreichten. Bis dahin ging der Weg schön flach an einem Fluss entlang, welcher bei besagten Toren am Staudamm aus dem See fließt. Von dort führte der Weg gemächlich am Seeufer entlang, bis wir an der Brod Bay Shelter auf einige andere Wanderer trafen, die dort ebenfalls Mittagspause machten. Stechmücken verkürzten die Pause jedoch und wir machten uns recht zeitig wieder auf den Weg.

Der nächste Streckenabschnitt ging steil bis sehr steil durch den Wald den Berg hinauf. In der Broschüre war dies mit 800 Höhenmetern angegeben. Wir wussten also, worauf wir uns einließen. Ich hatte auch von tollen Felsformationen gelesen, welche sicher eine tolle Abwechslung zum endlosen Wald darstellen würden. Die Felsen waren dann auch echt beeindruckend. Nur leider war die Stelle mit den Felsen sehr viel kürzer, als ich es mir vorgestellt hatte.

Irgendwann trafen wir auf zwei Mitarbeiter des Department of Conservation (DOC), welche auf Nachfrage meinten, dass es nur noch eine Dreiviertelstunde bis zur Hütte sei. Kurz darauf durchkreuzten wir die Baumgrenze und die Landschaft tat sich auf einem Bergkamm auf. Somit boten sich uns endlich fantastische Ausblicke über Lake Te Anau und das Fiordland. Kein Wunder, dass das Fiordland Teil des UNESCO Weltnaturerbes Te Wahipounamu ist! Aus dem Schutz des Waldes herausgetreten, merkten wir den Sturm des Vortages wieder und kämpften uns weiter durch den starken Wind. Wie vorhergesagt, war es dann aber wirklich nicht mehr weit bis zur Luxmore Hut, welche wir gegen 14 Uhr erreichten.

Am Abend besuchte ein Kea die Hütte. Dieser Vogel ist der einzige Bergpapagei der Welt. Er ist äußerst frech (oder was auch immer das Gegenteil von scheu ist), sodass man Schuhe, Rucksäcke und Sonnenbrillen nicht einfach so draußen herumliegen lassen sollte. Zudem sind sie bekannt dafür, an Autos Scheibenwischer und Gummidichtungen, beispielsweise von Fenstern, kaputt zu machen. Dieser Freund hier heißt übrigens Shae. Über die farbigen Ringe am Fuß kann man das in einer Datenbank nachschauen und dort auch Sichtungen berichten. Diese werden dann in einer Karte markiert (https://keadatabase.nz/). Ich muss wohl nicht extra dazu sagen, dass Keas, wie so ziemlich alles in Neuseeland, vom Aussterben bedroht sind.

Am Abend bereiteten wir unser Abendessen auf den zur Verfügung gestellten Gaskochern zu: Risotto mit Brokkoli, Karotten und Zwiebeln. Die meisten anderen Gäste hatten gefriergetrocknetes Essen in Beuteln dabei, welches nur noch mit heißem Wasser übergossen werden muss. Das ist zugegebenermaßen leichter zu Tragen und schneller beim Kochen, aber dennoch nicht meine erste Wahl. Ironischerweise waren die Kommentare der anderen Gäste uns gegenüber nicht auf unser Essen, sondern auf unseren Topf gerichtet. Wir hatten einen ganz normalen Topf aus unserer Küche mitgenommen, während alle anderen spezielles Campingkochgeschirr benutzten. Das ist vermutlich auch wieder leichter zum Tragen, es waren aber hauptsächlich recht kleine und unpraktisch aussehende Töpfchen.

Bei ihrem allabendlichen Vortrag erklärte die Rangerin die Hausregeln und verkündete, dass die Wettervorhersage für den nächsten Tag weniger windig sei, es aber trotzdem sehr kalt werden könnte. Zudem sagte sie, dass obwohl das Wasser nicht behandelt sei, sie es einfach so trinken würde und es nicht vorher abkoche. Für mich ist das immer die wichtigste Information, die ich von dem Vortrag mitnehme.

Wir ergatterten einen Schlafplatz im kleinen Schlafsaal, in dem nur 14 Betten waren. Das Bett neben uns bliebt frei. Wegen des starken Winds und des Regens am Vortag hatten wohl einige Leute kurzfristig abgesagt. Aufgrund der zuvor berichteten Bettwanzen sollten alle Rucksäcke, Jacken und Ähnliches an Haken aufgehängt werden und nicht auf dem Boden gelagert werden. Wir haben zum Glück weder Bettwanzen noch deren Bisse entdeckt.

Zu meiner Freude gab es auf der Luxmore Hut nicht nur Toiletten mit Wasserspülung (normalerweise sind Plumpsklos üblich), sondern diese befanden sich sogar in der Hütte selbst, nicht in einem separaten Gebäude einige Meter entfernt. Bei der zweiten Hütte war es genauso.

Tag 2

Am zweiten Morgen verließen wir die Hütte gut gefrühstückt gegen 9 Uhr. Der Anstieg zum Mount Luxmore war stetig, belohnte aber mit vielen tollen Aussichten. Auch Keas wurden wieder gesichtet. Je weiter wir nach oben kamen, inzwischen waren wir bei fast 1400 Metern angekommen, gerieten wir mehr und mehr in die Wolken (oder war es Nebel?). Die Sicht wurde zunehmend schlechter und der Wind peitschte ins Gesicht. Aus dem anfänglichen Nieselregen wurden langsam Schneeflocken – und das mitten im Sommer!

Gegen Mittag lichteten sich die Wolken wieder, sodass wir im Tal einen großen Fjord entdeckten. Zudem wurde der bevorstehende Streckenabschnitt über den Bergkamm damit deutlich beeindruckender.

Schließlich führte der Weg wieder ins Tal und somit in den Wald hinunter. Ganze 600 Höhenmeter ging es bis zur Iris Burn Hut hinunter. Entgegen der Berichterstattung der Rangerin waren es aber kaum Treppen, sondern mehr Serpentinen. Gegen halb 3 kamen wir dort an. Da sie direkt am Fluss lag, waren wieder etliche Stechmücken anzutreffen. Kiwis haben wir hingegen keine gesehen.

Tag 3

Am dritten und letzten Tag, welcher auf Heiligabend fiel, waren wir erneut gegen 9 Uhr auf dem Weg. Die Strecke wurde als durchgehend flach angegeben und am letzten Tag waren auch die Rucksäcke schon deutlich leichter geworden. Der Akku der Kamera war inzwischen leerfotografiert, sodass nun die Handys herhalten mussten. Der endlose Wald vom ersten Tag wiederholte sich hier: mal mit mehr Moos, mal mit mehr Farn, aber immer nur Wald.

Was anfangs sehr beeindruckend war, wird irgendwann eintönig. Um die Mittagszeit kamen wir zu einem See, dem Lake Manapouri, an dessen Ufer der Weg nun einige Zeit entlang ging. An der dritten Hütte, für welche wir wie gesagt keine Buchung mehr ergattern konnten, machten wir Mittagspause und verabschiedeten uns endgültig von den anderen Wanderern, mit denen wir über die letzten Tage immer wieder gequatscht hatten.

In der Broschüre des Kepler Tracks wurde beim letzten Tag ein Moor erwähnt, welches durchwandert werden würde. Nach dem endlosen Wald sehnte ich mich nach dem Moor. Als wir es erreichten, verhielt es sich jedoch ähnlich wie bei den Felsen am ersten Tag: kaum da, schon wieder weg. Die letzten Kilometer durch den endlosen Wald zogen sich und zogen sich. Die Beine wurden schwerer und schwerer. Die vom Abstieg des Vortags geschundenen Waden beschwerten sich zunehmend. Gegen 15 Uhr entdeckten wir die Hängebrücke über dem Fluss, über welchen wir anfangs gekommen waren. Endlich hatten wir unsere dreitägige Runde vollendet und fanden unser Auto unbeschadet auf dem Rainbow Reach Car Park wieder.

One Comment

  1. Gisela Schnitker

    Hallo Benny und Isa,
    Euer Urlaub sah entspannt aus.
    Wir sind gerade in Gissigheim und verabschieden uns von der Oma.

    Lasst es euch gut gehen.
    Alles Liebe
    Gisela und Manfred

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