Great Barrier Island – Eine abenteuerliche Anreise

Für das verlängerte Wochenende zum Tag der Arbeit am 26. Oktober 2020, dem Labour Weekend, hatten wir geplant, Wanderurlaub auf Great Barrier Island zu machen.

Nicht zu verwechseln mit dem Great Barrier Reef vor der Küste von Australien, liegt Great Barrier Island etwa 100 Kilometer nördlich von Auckland. Von Auckland aus sieht man die Insel, die die Maori Aotea nennen, nicht, da sie von Rangitoto und Waiheke Island verdeckt wird. Von der Nordspitze der Coromandel Pensinsula haben wir sie bei unserem letzten Campingurlaub aus jedoch gesehen (Hier geht’s zum Reisebericht mit Foto der Insel vom Festland aus).

Um auf die 18 Kilometer mal 35 Kilometer große Great Barrier Island zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: mit dem Schiff oder mit dem Flugzeug. Wer kein eigenes Boot besitzt, kann die Autofähre von Auckland Central aus nehmen. Diese braucht 4,5 bis 5 Stunden bis zum Hafen in Port Fitzroy oder dem Hauptort Tryphena. Wer kein eigenes Flugzeug besitzt, kann zwischen zwei Fluggesellschaften wählen, die vom Auckland International Airport im Süden oder einem kleinen Flughafen im Norden von Auckland aus starten.

Wir entschieden uns für die günstigste Variante, den Flug mit der Fluggesellschaft Fly My Sky etwa 200 Dollar pro Person (Hin- und Zurück).

Am frühen Samstagmorgen fuhren wir bei unserem bevorzugten Park&Ride Parkplatz auf den Hof und wurden mit dem Shuttle zum Domestic Terminal des Auckland Airports gefahren. Dort angekommen fanden wir den kleinen Schalter von Fly My Sky gleich neben seinem Konkurrenten Barrier Air in der Regional Ecke des Terminals. (Anmerkung am Rande: im Domestic Terminal, von wo aus die Inlandsflüge gehen, gibt es Domestic Flüge mit Handgepäcks-/Sicherheitskrontolle (z.B. nach Christchurch, Wellington und Queenstown) und Regional Flüge ohne solch eine Kontrolle (z.B. nach Blenheim, Napier und eben auch Great Barrier Island)).

Beim Einchecken merkte ich an, dass ich die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaft sehr amüsant fände. Unter anderem steht dort, dass stinkende Hunde verboten seien und man seinen Hund gefälligst zu waschen hat, bevor man ihn mit ins Flugzeug nimmt. Der Mitarbeiter schmunzelte und bestätigte, dass sie wirklich schon alles erlebt hätten. Schließlich wurden alle Gepäckstücke inklusive Handgepäck gewogen. Was Aufgabegepäck und was Handgepäck war, war auch eigentlich nicht relevant. Wir starteten mit 21,7 Kilogramm verteilt auf zwei Wanderrucksäcke in den Urlaub. (Da wir Essen für drei Tage mitnehmen mussten, war unser Gepäck im Zurück auf 15,9 Kilogramm geschrumpft). Eine Banderole mit Barcode, die am Aufgabegepäck befestigt wird, wie es bei anderen Fluggesellschaften üblich ist, gab es nicht. Als Boardingpass wurde jedem ein laminiertes Kärtchen ausgehändigt. Einen zugewiesenen Sitzplatz gab es dementsprechend auch nicht.

Boarding Pass bei Fly My Sky - Ein laminiertes Kärtchen
Boarding Pass bei Fly My Sky – Ein laminiertes Kärtchen

Wir warteten brav am Terminal bis der gleiche Mitarbeiter uns schließlich aufrief. Mit uns meldete sich nur noch eine andere Gruppe, bestehend aus fünf Erwachsenen für den Flug. Nachdem er die Boardingpasskärtchen wieder eingesammelt hatte, liefen wir dem Mitarbeiter nach, gingen durch ein paar Gänge, bogen zweimal rechts ab und standen plötzlich vor unserem kleinen Flügzeugchen.

Britten-Norman Islander - das "Buschflugzeug"
Britten-Norman Islander – das „Buschflugzeug“

Wie sich später herausstellte, besitzt diese Fluggesellschaft genau vier Flugzeuge. Alle vom gleichen Typ: Britten-Norman Islander, welches auch liebevoll das „Buschflugzeug“ genannt wird, da es für schlechte Landebedingungen ausgelegt ist. Für jedes der vier Flugzeuge gibt es Boardingpasskärtchen in einer anderen Farbe. Das „Kennzeichen“ des Flugzeugs ist ebenfalls auf dem Boardingpass vermerkt. Das Flugzeug hatte zehn Sitzplätze (zwei Plätze pro Reihe in fünf Reihen). Das schließt den Piloten mit ein. Der Pilot war es auch, der gerade das Gepäck einlud, als wir am Flugzeug ankamen. Da die andere Gruppe zu fünft war, durfte eine Frau von ihnen vorne neben dem Pilot sitzen. Dazu stieg sie zur Fahrertür ein und rutschte vom Pilotensitz zum Beifahrersitz rüber. Die anderen vier Leute der Gruppe hatten eine Tür auf der anderen Seite, von der aus sie auf die zweite und dritte Reihe einstiegen. Die Lehne der Sitzbänke konnte dafür vorgeklappt werden. Wir wurden zu einer Tür weiter hinten auf der Fahrerseite geschickt, bekamen einen kleinen Tritt hingestellt und zwängten uns so auf die vierte Sitzbank. Die fünfte Reihe blieb leer. Ganz hinten, im Heck des Flugzeugs, war das Gepäck aufgestapelt und mit einem Gepäcknetz gesichert.

Nachdem der Pilot seinen Sitzplatz eingenommen hatte, drehte er sich zu uns um, um uns zu erklären, dass der Notausgang die Tür sei, durch die wir eingestiegen wären. Wir könnten aber auch einfach jedes beliebige Fenster aus dem Rahmen brechen, das sei wohl nicht allzu schwierig. Zudem seien Schwimmwesten und ein Erste-Hilfe-Kasten an Board. Dann drehte er sich wieder nach vorne, drückte ein paar Knöpfe und warf die beiden Propeller an. Ohne vorherige Anweisung setzten alle Fluggäste den bereitgestellten Gehörschutz auf.

Der Pilot sitzt vorne links und die Fluggäste daneben bzw. dahinter
Der Pilot sitzt vorne links und die Fluggäste daneben bzw. dahinter
Corona gibt es ja auch noch. Außer mir hat aber nur noch eine andere Frau eine Maske getragen.
Ach stimmt, Corona gibt es ja auch noch. Außer mir hat aber nur noch eine andere Frau eine Maske getragen.

Nach sehr kurzem Anlauf waren wir auch sofort in der Luft und bogen von Mangere nach Norden Richtung Auckland Central ab. Leider wurde die Sicht von Wolken verdeckt, bevor wir den Sky Tower sehen konnten. Einen Blick auf die Harbour Bridge konnte ich dann aber doch noch erhaschen. Auch Rangitoto zeigte sich uns nicht.

Luftbild der Auckland Harbour Bridge
Luftbild der Auckland Harbour Bridge

Nach etwa einer halben Stunde rissen die Wolken auf und wir konnten Great Barrier Island direkt vor uns sehen. Nur wenig später entdeckten wir den Flugplatz in Claris (auf der kleinen Insel gibt es doch tatsächlich noch einen Zweiten), welcher zu meiner Überraschung eine asphaltierte Landebahn hatte.

Flugplatz Claris auf Great Barrier Island
Flugplatz Claris auf Great Barrier Island

Noch überraschender war es dann, dass wir trotzdem auf der Wiese neben der asphaltierten Landebahn landeten. Auf dem Rückflug wurde mir klar, dass es sich nicht um eine asphaltierte Landebahn, sondern um eine asphaltierte Startbahn handelte. Auch die etwas größeren Flugzeuge der anderen Fluggesellschaft und die kleineren, privaten Flugzeuge landeten auf Rasen und starteten auf Asphalt.

Am Flugplatzgebäude angekommen, stellte der Pilot den Tritt vor die Türen und fing an, das Gepäck auszuladen. Wir wurden gebeten, durch das Flugplatzgebäude zu gehen, welches nicht größer als ein Klassenzimmer war, und auf der anderen Seite würden sie dann das Wägelchen mit den Koffern rausschieben.

Auf dem Rückflug hatten wir den gleichen Piloten, aber ein anderes Flugzeug des gleichen Modells. Das mit den grünen Kärtchen. Diesmal war der Himmel wolkenlos, sodass ich diese tollen Aufnahmen machen konnte.

Außenansicht des Flugzeugs dank einer ausgedellten Scheibe
Außenansicht des Flugzeugs dank einer ausgewölbten Scheibe
Luftbild von Rangitoto (vorne) und Auckland's Skyline sowie Harbour Bridge (hinten)
Luftbild von Rangitoto (vorne) und Auckland’s Skyline sowie Harbour Bridge (hinten)
Luftbild von Musick Point in Howick (vorne), Browns Island (mittig) und Rangitoto (hinten)
Luftbild vom Musick Point in Howick (vorne), Browns Island (mittig) und Rangitoto (hinten)

Was wir auf Great Barrier Island erlebt haben, nachdem wir auf abenteuerliche Weise dort angekommen waren, gibt es im nächsten Beitrag zu lesen.

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