Hobbiton – Ein Besuch am Filmset

Nach über fünf Jahren in Neuseeland haben wir es diesen Januar nun doch endlich nach Hobbiton geschafft. Der stattliche Eintrittspreis für die Besichtigung des Filmsets von der „Herr der Ringe“-Triologie sowie den drei Teilen von „Der Hobbit“ von derzeit 84 NZD (ungefähr 51 EUR) hatte uns bisher immer abgeschreckt. Doch unser Besuch von Übersee* war interessiert und so schnappten wir uns die Gelegenheit.

*Während in Deutschland mit „Übersee“ für gewöhnlich die Vereinigten Staaten gemeint sind, wird in Neuseeland jedes andere Land als „overseas“ bezeichnet. Unser Besuch waren also keine Amerikaner

Hobbiton - Ortsschild

Wir waren für die erste Tour am Morgen angemeldet. In der Hauptsaison ist diese um 8 Uhr. In der Nebensaison starten Touren erst um 9 Uhr. Da wir an diesem Morgen von Rotorua zum Filmset bei Matamata anreisten, ging es für uns schon recht früh los. Ohne Tour kann das Hobbitdorf übrigens nicht besichtigt werden, da der Besucheransturm dafür viel zu hoch ist. Eine Tour ist ein Bus voller Leute. Ich schätze das mal auf so 30 Leute. Und Touren gehen meist alle 10 Minuten, manchmal aber auch alle 5 Minuten.

Punkt 8 Uhr wurde unsere dreißigköpfige Anstehschlange also in einen grünen Hobbiton-Bus verfrachtet. Die zehnminütige Fahrt ging durch die Rinderfarm der Familie Alexander, welche wohl bei McDonalds unter Vertrag steht. Einer der Brüder kümmert sich um die Farm, der andere um die touristische Vermarktung des Filmsets. Ich frage mich, wie das finanziell wohl im Vergleich steht? Die geteerte und gut ausgebaute Straße soll angeblich vom neuseeländischen Militär extra für den Film gebaut worden sein. Es wurde ein Willkommensvideo gezeigt, bei dem uns der Regisseur Peter Jackson begrüßte.

Hobbiton - Mit dem Bus durch die Farm

Die sanften Hügel der Region waren der Jahreszeit entsprechend ausgebrannt und dürr. Am Ortsrand von Hobbiton (zu deutsch: Hobbingen) angekommen konnten wir jedoch sehen, wie dort die Wassersprenkler auf Hochtouren damit beschäftigt waren, das idyllische Dorf schön grün zu halten. Der scharfe Kontrast von Braun zu Grün verdeutlicht die Illusion.

Hobbiton - Farbkontrast zwischen Dorf und Farm

Wir stiegen aus dem Bus aus und unser Tourguide begann endlich mit dem Rundweg.

Schon der erste Eindruck war überwältigend. Entgegen meiner Erwartungen waren die Hobbithäuser sehr gut instand gehalten. Auch die Gärten waren äußerst schön hergerichtet und alles sehr liebevoll und mit unglaublichem Detailreichtum angelegt. Jedes Haus ist einem anderen Beruf oder auch einer Tätigkeit gewidmet. In einem wohnt ein Bäcker, in einem anderen der Metzger, der Schneider oder auch der Schachspieler. Nur einen Schuhmacher gibt es im Dorf nicht – Hobbits tragen ja bekanntlich keine Schuhe!

Hobbiton - Eines der Hobbithäuser

Uns wurde erklärt, dass es einige Häuser im Dorf doppelt gibt: einmal in kleinem Maßstab und einmal in groß. Bilbo wurde vor dem großen Haus gefilmt und Gandalf vor dem Kleinen, um den Größenunterschied zwischen dem Hobbit und dem Zauberer darzustellen.

Hobbiton - Ein Größenvergleich

Nach einem generellen Einblick in das Leben der Hobbits und den Aufbau des Dorfs folgte eines der Highlights im Ort: Bag End (zu deutsch: Beutelsend), das Haus von Bilbo und Frodo Baggins (zu deutsch: Bilbo und Frodo Beutlin).

Hobbiton - Wegweiser

Eine recht interessante Geschichte dreht sich um den Baum, welcher direkt auf Bilbo’s Haus wächst: Für die im Jahre 1999 hier gedrehte Filmtriologie „Herr der Ringe“ wurde ein Baum aus dem nahe gelegenen Matamata in Stücke gesägt und auf Bag End wieder zusammengesetzt. Als dann drei Jahre später, also 2002, „Der Hobbit“ hier gedreht wurde, musste nicht nur ein neuer Baum her – der Alte war längst abgebaut worden – sondern der neue Baum musste auch 60 Jahre jünger aussehen als der Erste, da „Der Hobbit“ ja zeitlich vor „Herr der Ringe“ spielt. Da es nahezu unmöglich ist, den perfekten Baum in der Natur zu finden, wurde die Eiche von den Requisitenmachern der Weta Cave in Wellington hergestellt, wobei jedes einzelne Blatt handbemalt wurde. Dank der hohen UV-Strahlung in Neuseeland müssen diese jetzt auch regelmäßig nachgestrichen werden. Verrückt, oder?

An der Festwiese mit dem großen Baum vorbei gelangten wir zur Number 3, Bagshot Row (zu deutsch: Beutelhaldenweg 3), das Haus von Sam Gamgee (zu deutsch: Sam Gamdschie). Auch hatte unser Tourguide wieder einige Anekdoten parat. Und dass, wo er doch angeblich erst seit vier Wochen in Hobbiton Interessierte durch das Dorf führt. Vier Touren am Tag. Zwei Stunden pro Tour. So geht ein Arbeitstag auch rum.

Hobbiton - Beutelhaldenweg 3
Hobbiton - Unsere Reisegruppe

Nachdem wir uns ausgiebig im Ort umgeschaut hatten, machte sich unsere Reisegruppe auf den Weg von Hobbiton zum Green Dragon Inn (zu deutsch: Zum Grünen Drachen). Nach nicht einmal zehn Minuten, an der Wassermühle vorbei und über die kleine Steinbrücke, erreichten wir das sagenumwobene Gasthaus.

Im Green Dragon Inn durfte sich jeder ein Glas oder besser gesagt einen Humpen Bier abholen. Für die Kinder gibt es Gingerbeer, eine alkoholfreie Ingwerlimonade. Hier konnten wir uns für 20 Minuten endlich einmal frei und außerhalb der Gruppe bewegen, natürlich nur im Bereich der Mühle, der kleinen Brücke und des Gasthauses selbst. Aber trotzdem eine willkommene Abwechslung.

Angeblich sollen bis zu 40 Prozent der Hobbtionbesucher weder eines der Bücher aus der „Herr der Ringe“-Reihe beziehungsweise den „Hobbit“ gelesen haben, noch einen der sechs Filme gesehen haben. Mir wurde gesagt, ich könne nicht nach Neuseeland auswandern, ohne wenigstens die Filme gesehen zu haben. So haben wir die drei letzten Wochenenden vor unserer Abreise mit den überlangen Filmen verbracht. Ich gehöre also nicht zu den 40 Prozent!

Inspiriert vom Besuch um Hobbitdorf habe ich mir in der örtlichen Bücherei den ersten Teil der Buchreihe aus geliehen: „The Lord of the Rings – The Fellowship of tge Ring“. Auf Deutsch hatten sie es selbstverständlich nicht, macht aber auch nichts. Die 15 Exemplare, die die Auckland Libraries davon haben, waren alle verliehen, sodass ich es sogar vorbestellen musste. Verlängern geht also auch nicht. Ich mach mich mal besser wieder ran, damit ich es noch durch schaffe!

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