Cape Brett Track

Am ersten Weihnachtsfeiertag packten wir unsere Rucksäcke und fuhren über kilometerlange, kurvige Schotterstraßen nach Rawhiti. Wir parkten bei einem Anwohner auf einer dafür ausgeschilderten Wiese und warfen brav fünf Dollar in den Briefkasten. An der angrenzenden Oke Bay lag der Startpunkt für unser nächstes Abenteuer: Der Cape Brett Track.

Das Department of Conservation gibt den Weg mit acht Stunden für 16 Kilometer an. Dass das nicht ganz eben sein kann, leuchtet ein. Und der erste Anstieg ließ auch nicht lange auf sich warten. Von Meereshöhe aus ging es in unter drei Kilometern auf den Gipfel des 345 Meter hohen Pukahuia, wo wir unsere erste Pause einlegten. Hier wurde schnell klar, warum sich die Gegend Bay of Islands nennt.

Die nächsten fünf bis sechs Stunden war ein stetiges Auf und Ab und Auf und Ab und hoch und wieder runter und nochmal hoch und nochmal runter und dann nur noch fünf Berge weiter, dann ist man auch schon an der 16 Kilometer Marke. Nur, dass man damit weder den Leuchtturm noch die Hütte erreicht hat. Dazu geht es bestimmt nochmal zwei Kilometer weiter und das letzte Stück hat es wirklich in sich. Wir kamen echt an unsere Grenzen.

Die Beschreibungen, die ich im Vorfeld auf anderen Seiten gelesen hatte, sind tatsächlich nicht übertrieben. Da stimmen mir auch nahezu alle Einträge des Gästebuchs der Hütte zu.

Als wir nach siebeneinhalb Stunden total abgekämpft an der 23-Betten großen Hütte ankamen, war nur ein älteres Paar aus Colorado zuhause. Die waren schon am Vortag hergewandert und hatten sich den ganzen Tag rund um die Hütte ausgeruht. Das hätte uns mal einfallen sollen. Wir mussten am nächsten Tag schon wieder zurück und der Muskelkater plagte uns bereits am Abend. Das Angebot, sich für 250 Dollar vom Wassertaxi abholen zu lassen, klang verlockend.

Später kamen noch zwei einzelne junge Männer an. Einer von ihnen fragte direkt, ob jemand ein Handyladegerät dabei hätte. Schade, dass wir keins hatten. Es wäre zu lustig gewesen, den Kerl vergebens nach einer Steckdose suchen zu lassen. Auf der Hütte gab es nämlich keinen Strom. Kerzen und ein Gasherd waren der einzige Luxus. Auch seine Frage nach einer Dusche mussten wir verneinen. Da hatte wohl jemand andere Erwartungen.

Den Gasherd benutzten wir dann auch gleich für unser Weihnachtsessen. Wir hatten Knödelpulver mitgebracht, dazu Rotkohl aus dem Glas und Pilze aus der Dose. Kartoffelknödel mit Champignonsrahmsoße ist bei uns eine Familientradition. Bene hatte vor ein paar Wochen in Australien sogar echten deutschen Marzipanstollen ergattert. Das kann sich doch sehen lassen!

Als wir mit dem Essen fertig waren und es auch schon fast dunkel wurde, kam zu so später Stunde unerwartet noch eine vierköpfige Familie aus Australien an. Zehn Stunden sollen sie für die Strecke gebraucht haben. Unerklärlicherweise hatten die beiden zehn bis dreizehnjährigen Jungs immer noch Energie übrig und rannten wie wild um die Hütte. Die Mutter erzählte, dass sie früher schon einmal ohne Kinder hier gewesen waren. Mir ist ja unerklärlich, wie man auf die Idee kommt, den Weg noch einmal zu gehen und dann auch noch mit Kindern!

Nachts um 1 Uhr fing der Spaß dann richtig an. Einer der beiden Jungs kotzte aus dem Stockbett auf den Boden und musste sich auf dem Weg nach draußen im Flur und auch in der Küche noch einmal übergeben. Der Geruch war fast nicht auszuhalten, aber unsere Betten waren zum Glück direkt am Fenster. Hatte ich erwähnt, dass es in der Hütte keinen Strom gab? Und wer nimmt schon einen Wischmopp mit auf solch eine Wanderung? Während die Mutter sich um den Sohn kümmerte, opferte der Vater ein Handtuch und versuchte die Sauerei im Schein der Taschenlampe aufzuwischen. Mensch war ich froh, dass ich das nicht sauber machen musste. Anderthalb Stunden später traute ich mich schließlich nach draußen, um das Plumpsklo aufzusuchen. Der Boden war merkwürdig klebrig, aber einigermaßen begehbar. Vater und Sohn hatten inzwischen ihre Matratzen auf dem Rasen ausgebreitet und verbrachten die Nacht unter Sternenhimmel.

In diesem Sinne, fröhliche Weihnachten!

3 Comments

    • Avatar Ines Schäfer

      Hallo Isabel & Bene

      Danke für eure Beiträge, tolle Bilder wie immer! Wir (Ines & Niko aus der Schweiz, seit 1 Jahr in Stanmore Bay, Auckland wohnhaft) verfolgen eure Ausflüge mit viel Freude! Ines hat das Buch von Isabel verschlungen, und der Vogelkalender hängt bei Mutter in der Schweiz auch schon an der Wand😊.
      Tipp von uns, falls ihr noch nicht dort wart:
      Twilight – Te Werahi Loop Track, 16 km
      hier auch: Düne hoch, Düne runter und wieder Düne hoch, Düne runter ….auch sehr anstrengend aber in 5 Std. gut zu machen, eine tolle Wanderung!

      Freuen uns auf weitere Beiträge von euch!
      Schöne Ferien.

      Ines & Niko

      • Isabel von SnoopyA Isabel von SnoopyA

        Hallo Ines!
        Danke für den Tipp mit dem Walk. Leider ist unser Urlaub schon vorbei und der Alltag in Auckland hat uns wieder. Ein paar Beiträge hab ich aber noch im Ärmel. Zum Twilight Beach sind wir zwar nicht gekommen, aber ganz in der Nähe!
        Viele Grüße aus Manurewa,
        Isabel

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