Ausgangssperre in Neuseeland

Heute wurde bekannt gegeben, dass unsere Ausgangssperre nächsten Dienstag gelockert wird. Deswegen möchte ich die Zeit nutzen, auf die letzten vier Wochen auf „Lockdown“auf „Level 4“ zurückzublicken.

Was bedeutet Level 4?

Am 17. März 2020 war ich das letzte Mal im Büro. Das war ein Dienstag. Eigentlich hätte ich nur am Mittwoch mal testhalber von zuhause aus arbeiten sollen. Am Mittwochnachmittag wurde mir dann aber gesagt, dass ich besser die ganze Woche nicht mehr kommen soll. Am Montag verkündete die Premierministerin Jacinda Ardern, dass am Donnerstag Level 4 beginne.

Level 4 bedeutet in Neuseeland Ausgangssperre. Alle Firmen, Läden und Institutionen haben geschlossen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen. Weiterhin geöffnet haben:

  • Krankenhäuser, Ärzte, Apotheken, etc.
  • Supermärkte und die dahinter stehende Lebensmittelindustrie
  • Wasser-, Strom-, Internetanbieter, Müllabfuhr und Banken

Da fast alle Firmen geschlossen haben, kommt bei vielen kein Geld mehr rein und viele Firmen, Arbeitnehmer und Selbstständige geraten in finanzielle Not. Die neuseeländische Regierung hat deswegen Milliarden an neuen Schulden aufgenommen und Hilfspakete verabschiedet. So können Mitarbeiter nun 80 % ihres Gehalts vom Staat bekommen, falls der Arbeitgeber nicht mehr zahlen kann. Auch Selbstständige können diese Subvention beziehen. Leute, die ihre Miete nicht mehr bezahlen können, zahlen einfach nicht mehr. Hausbesitzer können bei der Bank eine Zahlungspause für den Hauskredit beantragen, wenn sie Mietausfälle oder Einkommensausfälle haben.

Was bedeutet Level 4 für uns?

Bene ist der einzige Mitarbeiter seiner Firma in Neuseeland. Da alle seine Kunden geschlossen haben, kann er auch nicht zur Reparatur oder zum Service dorthin gehen. Glücklicherweise sind die Maßnahmen in Australien nicht ganz so streng wie bei uns, sodass dort noch weitestgehend normal gearbeitet wird. Dadurch kann Bene in Australien im Telefonsupport mithelfen. Über das Internet kann er sich in die Maschinen einloggen, Fehlerberichte auslesen und gegebenenfalls Einstellungen ändern.

Meine Firma, als Teil der Lebensmittelindustrie, darf nach Beantragung einer Ausnahmegenehmigung weiterhin produzieren. Produktion und Qualitätskontrolle wurde sicherheitshalber in zwei sich nicht überschneidende Schichten aufgeteilt. Es werden Masken getragen und selbst angerührtes Desinfektionsmittel benutzt. Kaufen kann man das ja schon länger nicht mehr. Besucher werden nicht mehr auf’s Gelände gelassen. Büromitarbeiter, wie ich, müssen von zuhause arbeiten, soweit möglich.

Im Gegensatz zu meinen Kollegen, denen zuhause schon nach den ersten paar Tagen die Decke auf den Kopf gefallen ist, mag ich es, im Home Office zu arbeiten. Ich kann hier ruhig vor mich hinarbeiten, muss mir keine Gedanken machen, wie ich aussehe oder was ich anziehe und kann nebenher den Meerschweinchen zuschauen, wie sie im Garten herumspringen.

Supermarkt

Zweimal machte sich Bene bisher auf zum Supermarkt. Da Restaurants, Fast Food Ketten und Lieferdienste geschlossen sind, müssen alle Leute ihr komplettes Essen vom Supermarkt beziehen. Sogar Metzger und Bäcker haben geschlossen. Dementsprechend groß ist der Andrang. Beim zweiten Mal wartete Bene knapp zwei Stunden bei Nieselregen in der Einlassschlange. Einige Kunden hatten Campingstühle mitgebracht. Die waren wohl schon öfter da gewesen. Am Eingang angekommen, desinfizieren die Türsteher die Griffe der Einkaufswägen. Im Laden sind viele Waren ausverkauft (z. B. Mehl, Nudeln und Gemüsekonserven) oder es sind nur noch die teuren Marken übrig. Um Hamsterkäufen entgegenzuwirken, dürfen generell nur zwei gleiche Produkte gekauft werden. Das macht es etwas schwieriger, wenn man nicht so oft zum Laden gehen soll, dann aber nicht alles kaufen darf, was man will.

Out and About

Mit dem Auto darf nur gefahren werden, wenn man in einem Essential Business arbeitet, zum Arzt muss oder zum Supermarkt will. An den Autobahneinfahrten kontrolliert die Polizei, ob man wirklich einen driftigen Grund hat. Einfach so aus Lust und Laune darf nirgendwo hin gefahren werden. Mit anderen Leuten treffen ist dann natürlich auch nicht. Mit den Nachbarn kann man sich zwar über den Zaun unterhalten, aber ansonsten muss man sich innerhalb seiner Bubble (englisch für „Blase“) aufhalten, also nur den Leuten aus dem eigenen Haushalt.

Zum Spazierengehen oder für sportliche Aktivitäten darf man in der Nachbarschaft herumlaufen, sofern man den Mindestabstand von zwei Metern zu anderen einhält. Da haben wir es wirklich gut getroffen. Der Auckland Botanic Garden ist keinen Kilometer entfernt. Der Parkplatz ist zwar gesperrt, aber für Anwohner ist der Seiteneingang noch offen, sodass wir dort spazieren gehen können.

An den botanischen Garten schließt sich der noch größere Totara Park an. Dieser besteht aus einer Mischung aus Wald und Wiesen mit einem Aussichtspunkt oben auf dem Berg. Von dort aus kann man in der Ferne sogar das Meer sehen!

Jeden zweiten Tag laufen wir eine Runde. Da wir inzwischen jeden Winkel vom botanischen Garten und dem Totara Park kennen, haben wir jetzt angefangen, an den Straßen entlang zu laufen, die uns normalerweise zu viel befahren sind. Momentan begegnet einem dort kaum einer. Außerdem gucke ich gerne von der Autobahnbrücke hinunter auf die leeren Fahrbahnen. Das ist irgendwie bizarr. Die Anzeige an der Autobahneinfahrt steht auf „19 Minuten Fahrzeit bis in die Innenstadt“. Kaum zu glauben!

Wie geht es weiter?

Wenn wir nächste Woche von Level 4 auf Level 3 übergehen, ändert sich für uns erst einmal nicht viel. Alle Geschäfte, die liefern können oder mit Abholung arbeiten (Click & Collect, Drive Thru, etc.) dürfen wieder öffnen. Scherzhaft wurde schon gesagt: „Level 3 ist so wie Level 4, nur mit KFC“. Ich werde weiterhin von zuhause arbeiten. Ob Bene wieder zu Kunden gehen kann, ist noch unklar. Seine Firma will ihn unbedingt wieder losschicken, aber ob die Kunden ihn auf’s Betriebsgelände lassen, hängt wohl vom Einzelfall ab.

2 Comments

  1. Avatar Constanze

    Die Regierung in Neuseeland macht es richtig, auch wenn es für die Menschen dort sicher nicht einfach ist. In der Schweiz waren sie zu lasch, dort hat man zu lange gewartet und sich nicht getraut, schnelle Massnahmen zu ergreifen, das Ergebnis sieht man jetzt, vorallem auch im Tessin. Und Isabel hat ja einen herrlichen Ausblick im Home Office. Wünsche alles Gute! 🌷

  2. Avatar

    Da hast Du ja wirklich Glück das Du beim Botanischen Garten wohnst. Ich wohne seit 2 Jahren in Orakei und bin mir nicht einmal sicher ob ich die 2km zu Fuß zur Mission Bay gehen darf. Ansonsten hoffe ich auch, dass wir bald Level 2 haben.

    Zur Info falls es Dich interessiert: Ich habe mit einen Freund eine deutsche Covid-19 Neuseeland Seite gemacht und wir zeigen jeden Tag die Zusammenfassung der Pressekonferenz auf Deutsch an und auch eine Übersichtstabelle aller relevanten Daten. Die Seite kann man unter http://www.kiwi.guide aufrufen.

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