Wort der Woche (KW 44): Laid Back Attitude

Wie sind die Neuseeländer, die Kiwis, eigentlich so drauf? Unterscheidet sich ihre Mentalität stark von unserer Deutschen? Hier ein Einblick in meine bisher gewonnenen Eindrücke.

Die Kiwis sind höflich. Nun ja, zumindest auf den ersten Blick. Wenn man in der Stadt unterwegs ist oder auch auf der Arbeit, egal was man tut, ständig bedankt sich jemand bei dir, obwohl du gar nichts gemacht hast oder die Leute entschuldigen sich, obwohl entweder gar nichts vorgefallen war oder obwohl derjenige nicht schuld daran war. Es wird einfach immer bedankt oder entschuldigt. Thank you, Sorry, Pardon und Excuse me sind bald dein bester Freund. Weiterhin wird man häufig gefragt „How are you?“, selbst von Leuten, die man gar nicht kennt. Als Deutscher weiß man im ersten Moment gar nicht so richtig, was man darauf antworten soll. Interessiert es die Dame an der Supermarktkasse wirklich, wie es mir geht? Natürlich nicht! Es ist nur eine Floskel und man floskelt dann eben ein „Not too bad, thanks.“ zurück und geht weiter. Manchmal ist mir aber auch ein „And you?“ rausgerutscht und mir wurden von wildfremden Leute ihre Lebensgeschichte erklärt. Ist es doch nicht nur eine Floskel? Generell gesagt, wirkt es nur höflich, weil die englische Sprache eben sehr höflich ist. Ob die Leute wirklich höflich sind oder nicht, kann man dadurch noch gar nicht sagen.

Die Kiwis sind gelassen. Die Laid Back Attitute ist eine typische neuseeländische Eigenschaft, die man in vielen Alltagssituationen bemerkt. Wir Deutschen machen uns Sorgen über die Zukunft und sind fast alle überversichert, aber die Kiwis denken sich „She’ll be alright!“, wird schon alles gut gehen! Reisegepäckversicherung, Brillenversicherung, Hochzeitsrücktrittsversicherung. Was es nicht alles gibt! In Neuseeland haben viele Leute nicht mal eine Krankenversicherung und auch etwa ein Drittel der Autos sind nicht versichert.

Die Kiwis sind dein Freund. In der englischen Sprache gibt es ja an sich schon kein Du und Sie, aber in Neuseeland ist einfach jeder dein Freund. Prinzipiell wird man, selbst in der Arbeitswelt, immer mit dem Vornamen angesprochen. Selbst der oberste Chef ist nicht Mr. Smith, sondern Peter. Auch die Bankdirektorin, bei der man wegen einem Kredit vorspricht, heißt einfach nur Sharon (siehe Lifeswap). Das liegt wohl daran, dass Neuseeland ein recht kleines Land ist und in der guten alten Zeit wohl tatsächlich jeder jeden kannte. So hat sich die Tradition beibehalten und jeder ist dein Mate!

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Die Kiwis sind tolerant. Die Einwohner Neuseelands sind multikulturell, denn Neuseeland ist ein Einwandererland. Selbst „die Kiwis“ sind meist erst vor zwei bis drei Generationen eingewandert. Deswegen ist es hier als Ausländer viel einfacher sich in der Gesellschaft unter Leute zu mischen. Man fällt nicht sofort als Ausländer auf, was sehr angenehm ist. Wenn es dann doch offensichtlich wird, dass man Deutscher ist, reagieren viele interessiert oder erzählen einem von der Tante in Köln oder der letzten Flusskreuzfahrt auf dem Rhein. Nicht selten gibt es dann noch ein „Auf Wiedersehen“ zum Abschied und alle Lachen. Leider ist das aber auch nicht immer so. Ausländer ist hier nicht gleich Ausländer. In den letzten Jahren kamen viele Chinesen und Inder nach Neuseeland und denen wird von den Kiwis deutlich mehr Ablehnung entgegen gebracht. Von einem Kollege musste ich mir mal anhören: „Was, in dem Wohngebiet wohnt ihr? Da wohnen doch nur Ausländer!“ – „Ähm, wir als Deutsche sind doch auch Ausländer.“ – „Ach was, das zählt nicht! Ihr seid ja aus Europa. Ich meine, da wohnen doch nur Asiaten!“.

Die Kiwis sind zufrieden. In Deutschland geht der Trend immer mehr zu billig und Geiz ist geil. So auch in Neuseeland. Als abgelegener Inselstaat muss alles per Schiff importiert werden, was an sich schon teuer ist. Also lässt man billigste Waren aus China kommen, damit man sich wenigesten irgendwas leisten kann. Darunter leidet die Qualität stark, was unsereinen stören würde. Wer über Möbel von Ikea schimpft, sollte besser seinen kompletten Hausrat aus Deutschland importieren und hier niemals in ein Möbelhaus gehen. Wir wünschten, wir hätten Ikea. Wir Deutschen haben einen ganz anderen Qualitätsanspruch, wollen, dass unsere Sachen in gutem Zustand sind und wenn was nicht passt, wollen wir es besser machen. Neuseeländer sind da nicht so. Die Kiwis sind zufrieden mit dem, was sie haben und meckern nicht über alles. Geht etwas kaputt, muss es nicht sofort repariert werden, sondern höchstens notdürftig hingepfuscht und das passt dann schon so. Das Ganze geht wohl stark einher mit der Laid Back Attitute. Ja nicht zuviel Arbeit reinstecken. Lohnt sich nicht. Bisher ging es doch auch immer so. Funktioniert die Waschmaschine nicht mehr richtig und die Wäsche wird nicht immer sauber. Wen interessierts?

 

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