Die Zulassung zum Elektriker

In Deutschland darf nur elektrische Arbeiten ausführen, wer eine offizielle Elektrofachkraft ist. Man erwirbt diese Qualifikation mit einer drei bis dreieinhalbjährigen Ausbildung in einem elektrotechnischen Beruf, beispielsweise Elektriker oder Mechatroniker. Auch in Neuseeland braucht man eine Zulassung für solche Arbeiten. Dafür ist das Electrical Workers Registration Board (EWRB) zuständig. Es gibt Zulassungen für unterschiedliche Klassen, welche nicht alle die gleichen Arbeiten ausführen dürfen. Das EWRB hat eine Vielzahl an Dokumenten bereitgestellt, welche die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse mit Hinblick auf die Zulassung in den verschiedenen Klassen auflistet.

Und genau da fängt das Problem an. Das Einzige, was direkt so anerkannt wird und die Zulassung problemlos macht, ist, wenn man einen Gesellenbrief hat, auf dem „Elektroinstallateur“ steht. In manchen Berufen mag es den Gesellenbrief wohl noch geben, aber andere haben nur ein IHK-Prüfungszeugnis, was in Deutschland zwar rechtlich gleichgestellt ist, in Neuseeland aber niemanden interessiert. Zudem gibt es in Deutschland viele Berufswege mit elektrotechnischen Bestandteilen, in Neuseeland wird aber nur der Elektroinstallateur belohnt.

Über die letzten zwei Jahre haben wir versucht uns durch dieses elektrische Wirrwarr zu kämpfen und für Bene eine Zulassung zu bekommen. Seinem Chef ist es zum Glück vorerst egal, sodass er auch ohne Zulassung arbeiten kann, weil ja zum Schluss immer nochmal ein richtiger Elektriker drüber guckt. Aber irgendwann muss es gemacht werden.

Der erste Antrag ans EWRB wurde natürlich vollkommen abgeschmettert. Wir hatten alle Abschlüsse und Zeugnisse samt Berufserfahrungsnachweisen übersetzen und beglaubigen lassen. Uns wurde gesagt, wir sollen versuchen, den Abschluss bei der New Zealand Qualifications Authority (NZQA) anerkennen zu lassen und uns dann wieder melden. Selbst wenn wir alle erforderlichen Dokumente hätten, würde das knapp 1000 NZD kosten und mehrere Monate dauern. Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich keine. Also haben wir es gelassen und das Thema erstmal verschoben.

Alternativ wurde uns vorgeschlagen, dass Bene alle Kurse nachmachen und dann an der Prüfung zum Electrical Service Technician teilnehmen könnte. Zusammen mit dem Nachweis über genügend Berufserfahrung, könnte er dann die Zulassung erhalten. Also haben wir uns erkundigt, welche Kurse er dafür bräuchte: Den praktischen Kurs Teil 1 und Teil 2, den Theoriekurs, einen Kurs über die Gesetzeslage in Neuseeland und einen Erste Hilfe Kurs. Jeder dieser Kurse war mit knapp einer Woche angegeben und sollte jeweils zwischen 500 und 1000 NZD kosten. Wenn man nicht so viel Urlaub hat und der Chef einen für die Teilnahme nicht freistellen will, könnte man es auch jeweils als zweiwöchigen Abendkurs machen. Das klingt viel und teuer. Also haben wir das Thema mal wieder nach hinten verschoben.

Vor Kurzem kam Benes Chef dann auf ihn zu und sprach ihn darauf an, wie weit er denn nun mit seiner Zulassung sei. Nachdem er nichts vorzuweisen hatte, meinte der Chef, dass das EWRB jetzt seine Struktur geändert hätte und alle Kurse nun zu einem zusammengefasst wurden, welcher nur noch sieben Werktage lang sei. Kurzerhand meldete der Chef ihn beim Kurs an und so drückte Bene am Donnerstag vor drei Wochen zum ersten Mal wieder die Schulbank.

Das Manukau Institute of Technology (MIT) ist gar nicht so weit von uns entfernt. Man kann dort viele verschiedene Berufe im Handwerk erlernen. Ich selbst war dort schon einmal bei den Bäcker- und Konditoren-Schülern zu Gast. Es war ein sehr leckerer Abend!

Mit ihm waren noch knapp zwanzig andere Elektriker-Schüler im Klassenraum. Es schien jede Altersklasse vertreten zu sein. Viele von ihnen waren Inder, aber es waren auch ein paar Südafrikaner dabei, drei Kiwis und ein Australier. Bene setzte sich neben den Australier in die erste Reihe. Der Lehrer stellte sich kurz vor, er war aus Südafrika. Er erklärte den Kursablauf und Bene fing schnell an sich zu langweilen. Am nächsten Tag gab es praktische Aufgaben zu erledigen. So musste ein Stecker zusammengeschraubt und zwei Drähte zusammengelötet werden. Bene war nach noch nicht einmal einer halben Stunde damit fertig, ging zum Lehrer und holte sich seine Unterschrift ab. Die anderen brauchten teilweise bis zur Mittagspause, um dann Lötstellen abzuliefern, die wohl keinen Kontakt herstellen würden, würde man sie anschließen. Aber der Lehrer gab auch diesen Schülern eine Unterschrift für die benötigten Unterlagen. Bene konnte nur mit dem Kopf schütteln. Er versuchte sich die Zeit damit zu vertreiben, den anderen zu helfen und ihnen zu erklären, wie es funktioniert, aber er gab schnell auf. Manche schienen wirklich hoffnungslos zu sein. Zum Glück war dann erstmal Wochenende.

Die Zulassung zum Elektriker

Am Montag kam eine anderer Lehrer, welcher an drei Tagen eine Mischung aus Theorie und Praxis vermittelte. Der erste Lehrer war ruhig und geduldig, unterschrieb brav die Dokumente und schaute über Fehler großzügig hinweg. Dieser Lehrer war das genaue Gegenteil. Er war unausgeglichen und launisch. Nicht gerade hilfreich, fing er an, die Schüler anzuschreien, wenn sie etwas falsch gemacht hatten, sodass sie zusammenzuckten und verängstigt noch mehr Fehler machten.

Später in der Woche tauchte ein dritter Lehrer auf. Er war Inder und lehrte das Testen von Geräten. Überraschenderweise brachte er das trockene Thema fachlich kompetent rüber und so wurde der Rest der Woche einigermaßen erträglich.

Am vorletzten Tag stand noch Erste Hilfe auf dem Programm. Man solle nicht mehr beatmen, wie wir das früher noch gelernt hatten, sondern nur noch Herzmassage machen und dazu Stayin‘ Alive von den Bee Gees singen. Hört sich im ersten Moment dämlich an, aber der Takt stimmt und darauf kommt es doch an.

Bene war heilfroh als der Kurs endlich vorbei war. Es gab eine Woche Pause zum Lernen und heute, am Samstag, war die Prüfung. Diese findet nur dreimal im Jahr statt und so kamen fast 100 Schüler aus den verschiedensten Kursen zusammen. Sie mussten sogar in mehrere Räume aufgeteilt werden. Es waren alles Männer.

Bis die Ergebnisse bekannt gegeben werden, werden wohl noch drei bis vier Wochen vergehen, aber es wurde versprochen, dass es noch vor Weihnachten sein wird.

 

6 Comments

  1. Marc Monz

    Hallo,
    danke für euren Kommentar,
    habe auch einige schwierige Gespräche mit dem ewrb hinter mir.
    Jetzt habe ich es geschafft, daß ich nicht diese Theorieprüfung machen muß.
    Aber sie wollen mich zur Regulationprüfung schicken trotz Dokumente von Deutschland.
    Hat es denn dein Mann geschafft?
    Ich denke es ist besonders schwer.
    Habe gehört, letztes Jahr sind ca.60% durchgefallen.

    • Isabel von SnoopyA Isabel von SnoopyA

      Ja, Bene hat die Regulationprüfung auf anhieb geschafft. In dem Theoriekurs wurden sie darauf vorbereitet. Ich glaube, es lief in die Richtung „Schreibe die Nummer des Gesetzes auf, in dem das und das steht.“ Muss man wohl oder übel auswendig lernen.

      Er soll dich morgen mal anrufen, dann kann er dir aus erster Hand erklären, wie das so ablief.

  2. Patrick

    Hallo,

    hätte auch Interesse Auszuwandern, hab 2009 mein Elektriker gemacht in der Handwerkskammer von Berlin.

    Gibt es irgend wo eine Liste wo man sich bewerben kann?

    • Isabel von SnoopyA Isabel von SnoopyA

      Meinst du, für die Zulassung bewerben oder für einen Job als Elektriker?

      Um die Zulassung kümmert sich das EWRB (www.ewrb.govt.nz) und Jobs findest du auf Seek (www.seek.co.nz) oder TradeMe Jobs (www.trademe.co.nz/jobs).

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