Auf in die Berge – Skifahren auf dem Vulkan

Für das Wochenende waren 18°C und Sonnenschein vorausgesagt, also die perfekten Bedingungen, um in die Berge zum Skifahren zu gehen. Auf Neuseelands Nordinsel gibt es zwei Skigebiete, die beide auf dem 2,797 Meter hohen Mount Ruapehu liegen, einem Vulkan im Tongariro Nationalpark. Das Skigebiet Whakapapa liegt am Nordhang oberhalb vom Whakapapa Village, wo der Wanderweg des Tongariro Northern Circuit startet, und das Skigebiet Turoa liegt am Südhang oberhalb von Ohakune.

Im April schon hatten wir uns vergünstigte Liftkarten im Vorverkauf bestellt, sodass diese nur noch 75 NZD pro Tag kosteten statt den regulären 95 NZD. Da die beiden Skigebiete zusammen gehören, kann man sich aussuchen, in welches man damit geht. Samstag, pünktlich um 5 Uhr früh, traten wir die über 4-stündige Fahrt von Auckland gen Süden an. Hamilton und die Waitomo Caves ließen wir links liegen. Es war noch vor Sonnenaufgang und die ersten Lichtstrahlen fielen durch die Wolkendecke. Kühe grasten friedlich auf der Weide. Nebelschwaden durchzogen gespenstisch die sanften Hügel. Das ist das wunderschöne King Country!

Auf in die Berge - Skifahren auf dem Vulkan

Gegen 9 Uhr erreichten wir endlich Ohakune. Das kleine Städtchen lebt vom Tourismus. Im Sommer locken Wanderwege und Mountainbike-Strecken und im Winter kommen die Ski-Gäste. An diesem Wochenende blieb kein einziges Bett leer – wie auch in Whakapapa Village und allen anderen Orten rund um den Nationalpark. Ganz Neuseeland schien es dieses Wochenende in den Schnee zu ziehen. Von Ohakune ging eine geteerte Straße über 14 Kilometer bis hoch ins Skigebiet Turoa. Anfangs führte der Weg durch Regenwald mit Farnen und Palmen. Später wurde die Straße von vermeindlichen Nadelbäumen gesäumt, welche bei näherer Betrachtung doch Blätter hatten. Und schließlich ging die Vegetation in goldenes Tussockgras über, welches die steinerne Wüste besiedelte. Noch über fünf Kilometer vom Ziel entfernt, stauten sich die Autos und es ging nur noch im Schneckentempo voran. Ungeduldig folgten wir dem Vordermann.

Oben angekommen, liefen die Lifte natürlich schon längst. Wir zogen uns rasch am Auto um und marschierten mit den Snowboards los. Vor den Kassen waren Unmengen an Menschen. Wir fragten einen Mitarbeiter, wo man bereits bezahlte Tickets abholen könne und er schickte uns an den Schlagen vorbei. Obwohl vor uns nur noch eine Gruppe von drei jungen Männern war, dauerte es ewig bis die Verkäuferin die Liftkarten ausgestellt hatte. Bei uns war sie in noch nicht einmal zwei Minuten fertig. Vom Parkplatz aus führten zwei alte Sessellifte auf den Berg, ein Zweier und ein Vierer, die beide zum Einsteigen nicht langsamer wurden und auch keine Fußrasten hatten. Davor war eine so gewaltige Menschenansammlung, dass wir es kaum fassen konnten. Bis wir die erste Abfahrt nehmen konnten, war es schon fast 11 Uhr. Unsere morgendliche Euphorie war schon lange verflogen.

Beim nächsten Lift wieder genau das Gleiche, nur mit dem Unterschied, dass es hier keine Traube an Menschen war, sondern mehrere geordnete, aber unendlich lange, Schlangen. Die Neuseeländer stammen eben doch von den Briten ab. Manchmal kann man es kaum übersehen. Die Schlangen wurden vorne unterbrochen und ein Mitarbeiter der Bergbahnen teilte die Schneebegeistern passend in Sechsergruppen ein, damit ja keine Sitz im Sessellift leer blieb. Das System funktionierte überraschend gut. Es gab weder Gedrängel noch Geschubse.

Der Sechser-Lift war der Neuste der fünf Sessellifte, natürlich alle von Doppelmayr, und hatte als Einziger auch Fußrasten. Zudem hatte das Skigebiet noch zwei Schlepplifte und ein Laufband für die Kleinen. Ganz oben angekommen bot sich uns ein herrlicher Ausblick. Vor uns der Schnee und die Lifte, weiter unten die Hütten und der Parkplatz, in der Ferne grüne Hügel und Wälder. Wolken zogen am Horizont vorbei und, wenn man ganz genau hinsah, konnte man Mount Taranaki aus den Wolken herausspitzeln sehen.

Auf in die Berge - Skifahren auf dem Vulkan

Nach der nächsten Abfahrt, der Schnee war in perfektem Zustand, waren die Schlagen auch nicht mehr ganz so lang und bewegten sich deutlich schneller voran. Unser anfänglicher Missmut war schnell verflogen und so stürzten wir die Abfahrten hinunter und erfreuten uns am weißen Schnee.

Auf in die Berge - Skifahren auf dem Vulkan

Erst gegen 14 Uhr machten wir Pause an der obersten der drei Hütten. Unsere mitgebrachten Vorräte waren bereits aufgebraucht und so waren wir gespannt, was man in Neuseeland auf der Hütte wohl so isst. Kaiserschmarn und Erbseneintopf gab es natürlich keinen. Dafür aber eine überwältigende Auswahl an Frittiertem: Pommes, Hotdogs, Chicken Nuggets, Fischstäbchen, Zwiebelringe und noch vieles mehr. Dazu Sandwichs aus labbrigem Toast und die typischen Fleischpasteten. Wir entschieden uns für Nacho Chips mit Chilli Con Carne. Immerhin konnten wir ein Weißbier ergattern: Mac’s Great White, ein Cloudy Wheat Beer, das sogar in Neuseeland gebraut wird.

Auf in die Berge - Skifahren auf dem Vulkan

Wir überlegten, ob wir es den anderen gleich tun und von der obersten Bergstation noch den Wanderweg zum Gipfel nehmen sollten. Der Ausblick wäre bestimmt noch atemberaubender und mich reizte der Blick auf die andere Seite des Berges. Aber wir mussten uns beide eingestehen, dass wir schon recht müde waren, sodass wir es dann doch sein ließen. Da die Lifte um 16 Uhr schlossen, reichte es nur noch für ein paar wenige Abfahrten bis wir die ziemlich schmale und sehr überfüllte Abfahrt zum Parkplatz nehmen mussten. Talabfahrt kann man es aber kaum nennen. Der Parkplatz befindet sich auf über 1,600 Metern und man fährt mit dem Auto ins Tal .

Da wir erst am Donnerstag beschlossen hatten in die Berge zu fahren, hatten wir keines der Zimmer in Ohakune und Umgebung mehr ergattern können. So fuhren wir noch mal beinahe eine Stunde bis zum Hotel in Turangi.

Am nächsten Morgen mussten wir feststellen, dass das schöne Wetter verflogen war und stattdessen tiefe Regenwolken den Himmel verhängten. Wir wollten am zweiten Tag das Skigebiet in Whakapapa ausprobieren und hofften, die Lifte würde über den Wolken liegen. Am Fuß des Berges angekommen, wurde der Regen deutlich stärker und Schilder wiesen einen an, Schneeketten aufzuziehen. Wir hatten natürlich keine und hätten welche leihen müssen. Wir warfen einem Blick auf den Wetterbericht im Smartphone. Daraufhin entschieden wir, an diesem Tag besser nicht Skifahren zu gehen, sondern lieber an einem anderen Wochenende wiederzukommen.

 

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