Haus oder nicht Haus?

Schon seit Längerem spielten wir mit dem Gedanken ein Haus hier in Auckland zu kaufen. Die Mieten sind hoch und die Zinsen niedrig und dass wir hier bleiben wollen steht sowieso fest. Also haben wir uns schon vor Weihnachten am Wochenende immer mal wieder aufgemacht, um Häuser anzuschauen. Wenn man so auf den bekannten Seiten, wie TradeMe Property schaut, hat man das Gefühl, halb Auckland wird derzeit verkauft. An Auswahl mangelt es nun wirklich nicht. Oder doch? Nach einer Weile haben wir nämlich festgestellt, dass es zwar viele Häuser gibt, aber eigentlich alle gleich sind, und zwar nicht so, wie wir es gerne hätten. Die meisten haben unheimlich viele Zimmer, aber dafür nur winzige Wohnzimmer. Wir wollen genau das Gegenteil: zwei Schlafzimmer, riesen Wohnzimmer!

Vor drei Wochen haben wir dann endlich so ein Haus gefunden. Vom Grundriss her hätte es ursprünglich ein Haus mit vier Schlafzimmern, also ein Four-Bedroom-House, werden sollen, hatte aber nur zwei Schlafzimmer und dafür eine große Wohnzimmer-Ess-Küche, also Open Plan Living. Durch das große Haus war nur noch Platz für einen kleinen Garten, der war dafür aber unheimlich schön angelegt und hatte auch ein paar Gemüsebeete und Zitrusbäume. Auf einem Tisch auf der Terrasse stand ein Schälchen mit Zweigen, an denen Schmetterlingskokons hingen. Es lag auf einem ursprünglich sehr großen Grundstück, welches später in vier Teile geteilten wurde, um vier Häuser statt nur einem auf das Grundstück zu stellen (4er Cross Lease). Da es von der Straße aus in der zweiten Häuserreihe stand, teilten sich die vier Häuser eine gemeinsame Hofeinfahrt (down a driveway).

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Als wir zum Besichtigungstermin, dem Open Home, gegangen sind, hat es uns sofort gefallen. Bene fing an das Wohnzimmer auszumessen und ich lies mich solange von der Maklerin, dem Real Estate Agent, bequatschen. Sie schien jung und unerfahren und betrachtete uns wohl nicht als potenzielle Kunden. Jedenfalls war sie nicht überfreundlich und wollte uns gleich alles schön reden, wie das sonst immer war. Selbst als wir am nächsten Tag noch einmal hingegangen sind, nahm sie uns immer noch nicht richtig ernst. Wir ließen uns nicht entmutigen und begannen unsere Hausaufgaben zu machen.

Als erstes sprachen wir mit der Bank. Die sahen überhaupt kein Problem darin, dass Bene gerade keinen Job hat, da ich ja voll arbeite und sie wunderten sich, dass wir da überhaupt darüber Bescheid gegeben hätten. Man fragt sich, mit was für Leuten die sonst so zu tun hat.

Alle Unterlagen, die uns die Maklerin gegeben hat, haben wir an eine Anwältin weitergeleitet. Darunter der mögliche Kaufvertrag, falls man bei der Versteigerung den Zuschlag bekommen sollte und ein Bericht vom Amt über Baugenehmigungen und andere offizielle Eintragungen. Sie quatschte uns am Telefon zwar ewig voll, hatte aber eigentlich gar nichts zu sagen, da es an den Unterlagen nichts zu bemängeln gab.

Schließlich schickten wir noch einen Baugutachter zum Haus. Wir wollten ja nicht die Katze im Sack kaufen. Das ist in Neuseeland ganz normal und komischerweise ist es auch normal, dass jeder Interessent seinen eigenen Gutachter schickt. Das finde ich total überflüssig und pure Geldmacherei. Also fragte ich die Maklerin, ob schon jemand ein Gutachten hat machen lassen, damit man sich den Bericht und die Kosten teilen könne, aber sie sagte, es gäbe sonst niemanden. So mussten wir das Gutachten zwar alleine bezahlen, wissen aber auch, dass es keine weiteren Interessenten gibt. Außer vielleicht welche, die das Gutachten für unnötig halten.

Dass die Fenster teilweise nicht so ganz dicht schließen, haben wir schon selbst gemerkt, aber der Gutachter hat dann noch Risse in der Fassade bemerkt. Die Feuchtigkeitsmessung war zwar noch m Rahmen, aber man sollte es wohl trotzdem möglichst bald reparieren lassen. Das mussten wir in unsere Auktions-Strategie natürlich mit einfließen lassen.

Heute war es dann endlich soweit. Den ganzen Tag waren wir schon richtig nervös. Aber die Versteigerung war erst am Abend. Sie fand nicht im Haus selbst statt, da die Vorbesitzer noch darin wohnen, sondern in den Geschäftsräumen der Immobilienmakler. Da wegen dem langen Osterwochenende der Verkehr eine Katastrophe war, sind wir nach der Arbeit dort hingefahren. Wir waren natürlich viel zu früh und Bene war nervös wie vor einer Prüfung. Wir haben uns noch eine Weile im Park rumgedrückt und sind dann eine halbe Stunde vor Beginn der Auktion als Erstes hineingegangen. Nach und nach kamen immer mehr Leute und unsere Hoffnungen schwanden. Der Auktionator war angezogen wie ein Papagei und wirkte ziemlich arrogant. Er war mir auf Anhieb sehr unsympathisch. Als das Startgebot mit 600.000 NZD abgegeben wurde, fiel uns beiden die Kinnlade runter. Bene bot dann zwar noch zweimal mit, aber irgendwann waren wir dann raus. Zum Schluss kaufte es eine Familie mit zwei Kindern für 656.000 NZD. Beim Hinausgehen sprach mich die Frau dann mit „Sorry guys!“ an und ich kochte innerlich vor Wut. Sie meinte, das Haus wäre für ihre Eltern und wir könnten es ja in fünf bis zehn Jahren von ihnen zurückkaufen. Als ich den alten Mann ansah, war ich mir aber nicht so sicher, ob der noch so lange in dem Haus leben würde.

Und das war die Geschichte, wie wir heute fast ein Haus gekauft hätten…

One Comment

  1. Stephan

    Schade, dass es nicht geklappt hat. Irgendwann neue Chance, neues Glück.

    Es kommt vielleicht noch was besseres

    Gruß

    Stephan

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