Haus oder nicht Haus 2

Schon über ein Jahr ist es jetzt her, dass wir uns beinahe ein Haus gekauft hätten. Damals hatten wir aber auch schon fast ein halbes Jahr gesucht, bis wir überhaupt was gefunden hatten, das uns zusagte.

Haus oder nicht Haus?

Seitdem haben wir immer mal wieder geschaut und es dann aber voller Frustration doch wieder gelassen, denn so schlecht ist unsere Wohnung eigentlich doch nicht. Sogar meine Kollegen meinten, dass sie viel schöner und moderner sei, als sie es sich durch meine Erzählungen immer vorgestellt hatten. Nach ein paar Monaten fallen einem dann aber doch die grauen Wände, die nicht überstrichen werden dürfen, der graue Teppich, die fehlende Sonne und der Straßenlärm wieder auf. Und die Suche fängt von vorne an.

 

Neubau?

Irgendwann kamen wir auch mal auf die Idee, neu zu bauen. Immerhin könnten wir dann die Raumaufteilung selbst bestimmen, das Haus wäre brandneu, also in Top Zustand, und sogar gut isoliert und doppelverglast. Wir verbrachten also mehrere Wochenenden in Pokeno, einer Kleinstadt südlich von Auckland. Dort wollten wir zwar nicht hinziehen, aber da der Ort fast ausschließlich aus Neubaugebiet besteht, hat dort jede der Baugesellschaften ein Musterhaus stehen, sodass man ganz praktisch von einem zum nächsten spazieren kann, um alle miteinander zu vergleichen. Die Häuser sollten auch nicht das Problem sein. Die Beratung war super und die Preise angemessen. Nur leider braucht man auch ein Stück Land, auf das man sein Haus stellen kann und Bauplätze in einer Millionenstadt sind klein und teuer.

Wir sprachen erneut mit der Bank und es stellte sich heraus, dass sie uns mehr Geld leihen können, wenn wir bauen, als wenn wir ein bestehendes Haus kaufen würden. Das hat irgendwas mit der Gesetzgebung zutun und nicht mit der Bank an sich. Also suchten wir weiter und fanden ein tolles Grundstück in Papakura, im Süden von Auckland. Es gehörte den Wasserwerken, welche einen Wasserspeicher auf der oberen Hälfte des Grundstücks betrieb. Die untere Hälfte sollte verkauft werden. Dadurch, dass es nicht quadratisch war, sondern lang gezogen und sowohl Strommasten als auch ein Handysendemast angrenzten, lag das 3000 m² große Grundstück mit super Ausblick über die Stadt noch im Budget.

Wir zögerten jedoch ein Angebot zu machen, da in den Plänen eine Straße eingezeichnet war, die in echt nicht existierte und es unklar war, ob man auf das Grundstück überhaupt bauen dürfte. Es war nämlich als „Ländliche Gegend“ gekennzeichnet und nicht als „Städtische Gegend“. Deswegen muss das Haus laut Bebauungsplan mindestens 10 Meter von jeder Grundstücksgrenze weg sein. Das Grundstück war aber an der breitesten Stelle nur 25 Meter breit. Also hätte man eine Sondergenehmigung gebraucht, und, und, und. Bis wir beide Angelegenheiten mit dem Anwalt geklärt hatten, ist uns jemand anders zuvor gekommen und hat es uns einfach weggeschnappt.

Haus oder nicht Haus

Hinterher wurde uns klar gemacht, dass man für gewöhnlich erst ein Angebot macht und dann innerhalb der zweiwöchigen Frist diese Dinge klärt. Fallen die Recherchen negativ aus, kann man das Angebot zurückziehen. So machten wir es bei einem zweiten, noch größeren Grundstück, noch weiter südlich, in Bombay. Es hatte 6000 m² und lag am Hang. Oben war sogar ein Gipfelkreuz noch mit auf dem Grundstück. Wir malten uns schon aus, ob wir von Benes Bekannten ein paar Alpakas bekommen könnten, die wir auf die Weide stellen würden. Das Angebot, das wir machten, wurde aber leider abgelehnt. Die Besitzer wollten einfach viel mehr dafür haben und das sprengte unseren Rahmen. Seitdem fanden wir nur noch winzig kleine Grundstücke für viel zu viel Geld in einer Gegend, bei der genau wie bei unserer Jetzigen sicher alle Häuser gleich aussehen würden, und zwar grau in grau!

 

Mieten?

Nachdem wir die Idee mit dem Bauen verworfen hatten, überlegten wir einfach in eine größere und hellere Mietswohnung, vielleicht mit einem kleinen Garten, umzuziehen. Also sah ich mich auf dem Mietmarkt um. Nicht nur an den Inseraten, sondern auch bei den Besichtigungen merkte man sofort, dass man, im Vergleich zu den Kaufangeboten, nur ein zweiter Klasse Kunde ist. Die Informationen waren lückenhaft, fragte man nach, musste man sich einen dummen Spruch anhören, die Besichtigungszeiten waren unmöglich und auch während der Besichtigung waren die Makler unfreundlich. Die Wohnungen an sich waren auch nicht viel besser. Man fragt sich, wer in so etwas überhaupt wohnen will. Um etwas halbwegs Anständiges zu bekommen, hätten wir mindestens 100 Dollar mehr pro Woche hinlegen müssen und dafür wäre es dann auch nur ein bisschen besser als unsere jetztige Wohnung gewesen.

Wir fragten uns, warum nur Müll auf dem Mietmarkt ist, und wurden von Kollegen aufgeklärt. Das läge daran, dass jeder, der es sich auch nur annähernd (oder auch nicht) leisten kann, sich ein eigenes Haus kauft. Übrig bleiben, verzeiht mir den Ausdruck, Asoziale, die in Mietswohnungen wohnen. Neuseeländische Mieter (Einheimische oder Immigranten sei mal so dahingestellt) wären dafür bekannt, alles zu verwüsten, sodass die Renovierung den Wert der Wohnungen oft weit übersteigt. Man denke nur an die Reportagen über Mietnomaden in Deutschland. So ungefähr soll es hier an der Tagesordnung sein. Und deswegen möchte niemand eine schöne Wohnung vermieten. Also wieder nichts.

 

Kaufen?

Wieder etliche Wochen später, als Bene an einem Wochenende arbeiten musste und ich allein im grauen Zuhause saß, dachte ich, wenn man nur fleißig genug suchen würde, müsste sich doch was finden lassen. Das kann doch nicht sein, dass jeder Dahergelaufene sich ein Haus kaufen kann und wir nichts finden. Also durchforstete ich abermals TradeMe Property, die Immobilienseite des neuseeländischen eBay. Ich setzte knapp zehn Häuser auf die Liste. Ein paar Teurere, die besser aussahen und näher waren, ein paar weiter weg und ein paar Billigere, die renoviert werden müssten. Nachdem Bene sich die Liste angeschaut hatte, blieben drei Häuser übrig, die wir am darauffolgenden Sonntag schauen gingen.

Das Billigere erinnerte an die Asozialen, die ich oben beschrieben hatte. Der Makler meinte aber, dass ihm bisher keine Kakerlake über den Weg gelaufen sei. Mir tat der Mann schon fast leid, dass er so einen Mist verkaufen und anpreisen muss. Bene meinte aber, mit Immobilienmaklern müsste man im Generellen kein Mitleid haben. Also weiter zum nächsten.

Das war in Papakura und gehörte einer alten Frau, die ins Altenheim umzieht. Das Haus war sehr schön, aber der Garten wenig idyllisch, da eine viel befahrene Straße nicht weit entfernt war. Und Straßenlärm haben wir jetzt schon genug. Das brauch ich nicht nochmal.

Bei dem Dritten, welches in der Nähe des botanischen Gartens lag, konnten wir einfach keinen Haken finden. Es lag ruhig, aber trotzdem nicht zu weit von der Autobahn entfernt. Für sein Alter von circa 17 Jahren war es in einwandfreiem Zustand und auch der Garten war schön angelegt.

Haus oder nicht Haus

Nachdem Bene die ganze Woche out of town arbeitete, sollte ich das Angebot am Dienstag alleine unterschreiben. Dass das geht, wusste ich bis dahin auch noch nicht, war aber praktisch. Am Mittwoch kam die Maklerin auf mich zurück und meinte, die Verkäufer wollten mindestens 30.000 NZD mehr. Mir war die Enttäuschung regelrecht ins Gesicht geschrieben. Ich konnte Bene überreden, 10.000 NZD mehr anzubieten, hatte aber wenig Hoffnung, dass die Besitzer dies akzeptieren würden. Am Donnerstag meinte die Maklerin, nur 20.000 NZD mehr, wäre ok, aber das wäre das letzte Wort der Besitzer. Mit den Besitzern selbst, darf man nie verhandeln, alles geht über den Makler. Schließlich waren wir bereit 15.000 NZD mehr zu bieten. Ich druckte die geänderte Version des Angebots auf der Arbeit aus, unterschrieb und scannte es wieder ein. Dann hieß es denn Rest vom Tag wieder warten und vorhin kam endlich der Anruf, dass unser Angebot angenommen wurde!!!

Jetzt haben wir zwei Wochen Zeit, das Geld irgendwo herzubekommen und dann gehört das Haus uns (naja, also der Bank)! Falls wir bis dahin noch irgendwelche Unstimmigkeiten finden, können wir noch einen Rückzieher machen. Oder für den unwahrscheinlichen Fall, dass wir das Geld nicht bekämen. Einziehen dürfen wir aber erst am 23. Juni, solange brauchen die Besitzer noch, um selbst umzuziehen.

4 Comments

  1. Michael

    Lasst euch auf alle Fälle einen Buildersreport und den Limreport geben. Bzw lasst einen anfertigen. Damit ist man auf der sicheren Seite was den Zustand des Hauses und die Besitzverhältnisse angeht. Oder ob die Stadt plant demnächst ein Einkaufszentrum auf dem Nachbar Grundstück zu bauen…
    Ansonsten viel Glück das alles klappt.

  2. Thorsten Hunsicker

    Ist ja eine echte Katastrophe mit der Wohnsituation in Neuseeland! Wir überlegen schon seit einem Jahr auszuwandern, aber genau diese Situation hält uns von der ansonsten so idyllischen Insel fern ;(

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