Deutscher Stammtisch – NZ vs. USA

Vor Kurzem war ich längere Zeit beruflich in den Vereinigten Staaten unterwegs. Anderthalb Autostunden außerhalb von Chicago saß ich in einer eher unspektakulären Gegend fest, sodass sich am Wochenende schnell Langeweile einstellte. Alleine etwas zu unternehmen ist auch nicht unbedingt mein Ding und so dachte ich mir: „Schau doch mal, was es für Meetups in der Nähe gibt!“ Und siehe da! Keine zehn Kilometer entfernt war für Sonntagvormittag ein deutscher Stammtisch angesetzt. Gespannt, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten ich zu unserem deutschen Stammtisch in Auckland finden würde, meldete ich mich an.

Organisation

Genau wie in Neuseeland, ist diese Gruppe über die Plattform Meetup organisiert und trifft sich ebenfalls jedes zweite Wochenende im Café. Jedoch ist es immer sonntags und auch immer im gleichen Café. In Auckland versuchen wir Samstag und Sonntag abzuwechseln und auch bei den Örtlichkeiten etwas zu rotieren. Im Café, um nicht zu sagen im Coffeehouse, haben sie ein Hinterzimmer nur für sich reserviert und sogar ein laminiertes Schildchen aufgestellt: Vorne „German Conversation Meetup“ und hinten das Meetup Logo. Ganz schön professionell!

Deutscher Stammtisch – NZ vs. USA

Teilnehmer

In Auckland sind die meisten Teilnehmer deutsche Auswanderer. Viele von ihnen sind mit Kiwis verheiratet.  Haben Zuhause also nur wenig Gelegenheit in ihrer Muttersprache zu sprechen. Neuseeländer oder andere Nationalitäten, die früher in Deutschland wohnten oder Deutsch studieren oder sonst ein Interesse an Sprache und Kultur haben, sind eher in der Minderheit.

Beim amerikanischen Stammtisch war außer mir nur noch eine andere Deutsche beim Treffen. Alle anderen waren Amerikaner, von denen die meisten früher über das Militär einige Jahre in Deutschland stationiert waren. Zugegebenermaßen waren die Deutschkenntnisse eher mäßig, da die Soldaten in den amerikanischen Kasernen meist unter sich bleiben. Ein Mann war allerdings nicht vom Militär, sondern Lehrer, aber nicht für Deutsch, hoffe ich zumindest.

Gesprächsthemen

Entsprechend der unterschiedlichen Teilnehmer ergeben sich auch sehr unterschiedliche Gesprächsthemen. In Neuseeland wird viel über Einwanderungsthemen gesprochen wie Visumsangelegenheiten oder doppelte Staatsbürgerschaft, über Versicherungen oder sonstige Behördengänge. Auch deutsches Brot und die lokale Beschaffung anderer deutscher Köstlichkeiten ist ein Dauerbrenner, ebenso wie der Wunsch nach gut isolierten Häusern und Doppelverglasung.

In den Vereinigten Staaten wurde über die DDR gesprochen und die Stasi, die AfD und die Bundestagswahl, sowie Alltägliches aus Ramstein, dem größten amerikanischen Militärstützpunkt in Deutschland. Einer der Teilnehmer war erst vor Kurzem in Deutschland gewesen. Er hatte einen Ausschnitt aus der BILD-Zeitung dabei und las uns die Witze daraus vor. Anschließend waren die Muttersprachler gefragt, die Witze zu erklären. Das war ein Spaß! Durch die mitunter dürftigen Sprachkenntnisse der Teilnehmer verliefen die Gespräche auch deutlich langsamer und oft musste auf die Sprünge geholfen werden oder der Satz korrekt wiederholt werden. Immerhin waren die Teilnehmer nicht zum Spaß da, so wie ich, sondern wollten etwas lernen! Einige Teilnehmer hatten Zettel und Stift vor sich liegen und schrieben brav die neu gelernten Wörter nieder. Des Öfteren fiel das Gespräch wieder in die englische Sprache zurück.

Fazit

Bei beiden Stammtischen geht es um die deutsche Sprache, aber mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Während in Neuseeland sich die deutschen Auswanderer über das Leben im neuen Land austauschen, wollen die Teilnehmer in Amerika die Gelegenheit nutzen, die deutsche Sprache zu lernen. Trotz der Unterschiede haben ich bei beiden Stammtischen bisher viel Spaß gehabt und sehr nette Menschen kennengelernt!

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